Category : Motivation

„Perfect Days“ in Amara Valley

oder – Toilettenputzen als Klasse in Demut

Von Mitte Februar bis Ende März 2024 habe ich mein erstes Volontariat in meinem Leben im katalanischen Amara Valley gemacht, einem Retreat Center für Yoga, Ernährung und integrale Gesundheit, man könnte auch sagen für Mindfullness. 5 Stunden Arbeit am Tag an 5 Tagen, dafür freie Unterkunft und – sehr schmackhafte vegetarische – Verpflegung. Außerdem Teilnahme an manchen Aktivitäten.

Und natürlich das Leben in einer Community, denn in Amara Valley leben gleichzeitig ca. 20 Personen, davon zwei Drittel permanent oder langfristig und ein Drittel Freiwillige, die für 4 oder 6 Wochen kommen, um mitzuarbeiten.

Ich hatte im Januar an einem Fasten und Stille Retreat, dem Deep Dive in Amara Valley teilgenommen und dort auch gleich nach dem Volontär-Programm gefragt, da es mich interessierte auch einmal längere Zeit in Amara Valley zu verbringen. Es war zwar eigentlich bis zum Sommer belegt, aber es waren zwei Stellen vakant geworden und so meldete ich mich kurz entschlossen dafür an.

Die Arbeiten reichten vom Hühner füttern über den Hausputz bis zu Arbeiten auf dem weiträumigen Gelände wie z.B. das Aufstellen neuer Solar-Panels oder der Bau und das Aufbauen eines neuen Bienenstocks. Also insgesamt sehr abwechslungsreiche, aber teilweise auch sehr anstrengende Arbeiten.

Perfect Days in Amara Valley - Hühner füttern
Die Hühner warten schon ungeduldig

Perfect Days als Guest Guardian – Schützer der Gäste

Einen Morgen hatte ich wieder GG, das steht für Guest Guardian, und dabei hatte ich die folgenden Gedanken. Der Tag fängt mit der Toilettenrunde an. Ich fange also damit an, die Mülleimer mit dem benutzten Toilettenpapier zu leeren, denn hier wird kein Toilettenpapier ins Klo geworfen. Danach werden die Spiegel und Waschbecken der insgesamt acht Gästebäder gereinigt. Eine meditative Arbeit ohne großes Nachdenken. Und noch dazu mache ich es pfeifend und mit guter Laune.

Aber natürlich kommt bei mir automatisch der Gedanke auf, warum ich jetzt als 64-Jähriger eine freiwillige, unbezahlte Arbeit in einem Retreat Center mache und für andere die Toiletten reinige.

Dabei denke ich auch an den (übrigens sehr empfehlenswerten) letzten Film von Wim Wenders „Perfect days, der von einem Mann handelt, der in Tokio für eine Reinigungsfirma arbeitet und öffentliche Toiletten reinigt. Und der mit seinem Leben in Einklang und zufrieden ist.

Warum putzte Ghandi seine Toilette selbst?

Und ich denke auch an Ghandi, der seine Toilette selbst geputzt hat, um ein Zeichen zu setzen, denn diese Arbeiten wurden in Indien sonst nur von der Kaste der Unberührbaren gemacht.

Ich will mich bestimmt nicht mit Ghandi vergleichen, aber beim Toilettenputzen verstehe ich, warum er es gemacht hat. Es ist eine Klasse in Demut.

Wer will schon die Scheiße von anderen Leuten säubern? Bei der eigenen fällt es ja schon schwer. Es ist eine Arbeit, der man automatisch mit Abscheu begegnet, selbst wenn man es mit Gummihandschuhen macht.

Automatisch kommen Gedanken hoch wie: „Jetzt habe ich mein ganzes Leben gearbeitet, habe versucht etwas aufzubauen und jetzt putze ich in einem Retreat Center die Gästetoiletten? Und das noch umsonst? Wie weit habe ich es gebracht? Es ist eine Arbeit, die andere machen können, aber ich?“

Ja! Und meine fröhliche Stimmung überrascht mich selbst. Ich bin hierhergekommen, um zu dienen. Ich bin hierhergekommen, um von diesem einmalig ruhigen und friedvollen Platz zu profitieren. Um zu lernen, mein Ego zurückzustellen und das zu machen, was gemacht werden muss, so wie alle, die an diesem Ort leben oder als Freiwillige mitarbeiten.

Und ich stelle erstaunt fest, dass es mir nichts ausmacht. Dass ich alles gut kontrolliere, bis ich zufrieden mit meinem Ergebnis bin. Dass ich froh bin, wenn die Toiletten sauber für die Gäste sind. Ich gebe mir Mühe, denn ich bin schließlich der Guest Guardian, der Schützer der Gäste.

Und ich bin dankbar, dass ich hier bin und ein Teil des Teams sein darf. Dass ich lernen kann und Klassen bekomme, wie ich mein Ego verstehen und eventuell sogar verkleinern kann. Durch Demut.

Nimm dir die Zeit! Sie ist begrenzt

Gerade habe ich erfahren, dass die Frau eines Freundes von mir plötzlich verstorben ist. Sie war noch nicht alt. Ein Schlaganfall. Innerhalb von einer Woche ist sie vom Zustand des Lebens zum Zustand der Nichtexistenz gewechselt. Letzte Woche Montag kaufte sie noch Brötchen und jetzt ist sie einfach nicht mehr da, oder zumindest ihre leibliche Präsenz.

Es ist schockierend und unumkehrbar. Man wird nicht mehr mit ihr reden oder lachen können. Alle Worte, die man ihr noch hätte sagen wollen, bleiben jetzt ungesagt.

Manchmal kann man sich auf den Abschied vorbereiten. Aber manchmal passiert es ganz plötzlich. Und trotzdem zeigen dir  beide Versionen das Gleiche. Die unplanbare Endlichkeit des Lebens.

Wir haben also nicht unendlich Zeit! Können wir uns dann Zeit nehmen?

Fangen wir anders an. Was macht dich glücklich? Weißt du es? Welches sind die Momente, in denen du dich glücklich fühlst? Die meisten Momente, in denen du dich glücklich fühlst, sind die Momente, in denen du genau das tust, was du gerne tun möchtest. Momente, in denen du dich vielleicht deinem Hobby widmest, in denen du vielleicht mit deiner Familie; Freunden oder einem geliebten Menschen zusammen bist. In denen du meditierst. In denen du Musik machst. Und und und. Zeitlose Momente

Aber so widersprüchlich es klingt –  genau für diese Momente brauchst du Zeit. Also nimm sie dir. Denn das Leben ist unplanbar.  

Oder fragen wir andersherum: Was hindert dich daran, glücklich zu sein? Musst du arbeiten? Musst du dein Handy checken? Musst du dich um deine Familie kümmern? Musst du wirklich?

Die ewig alte Frage: was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass dies dein letzter Tag ist? 

Oder geben wir uns ein wenig mehr Zeit. Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass dies dein letzter Monat ist? Was würdest du sein lassen?

Ich denke, nur wenn man sich diese Frage stellt, weiß man, was man eigentlich nicht machen möchte. Mit welchen Tätigkeiten man die wertvolle Zeit seines Lebens verschwendet. 

Klar, manche Dinge kann man vielleicht nicht von heute auf morgen ändern. Aber vielleicht doch. Was brauchst du wirklich für dich? Kannst du deine Bedürfnisse vielleicht reduzieren und dann ganz andere Sachen machen als jetzt?

Und selbst wenn nicht. Du kannst definieren, was dir wichtig ist und planen, um dein Ziel nach und nach zu erreichen.

Aber du solltest jetzt damit anfangen

Ich zum Beispiel wollte mehr Flexibilität, damit ich auch mal spontan meine Zeit anders planen kann, um Dinge machen zu können, zu denen ich Lust habe. 

Und so habe ich meinen Vertrag bei der Sprachschule aufgelöst und arbeite jetzt nur noch selbstständig. So kann ich dann auch mal eine Woche oder zehn Tage während der Schulzeit verschwinden, da ich mit meinen Privatschülern flexibler umgehen kann.

Außerdem habe ich meine Hobbies, Musik und Qigong, auch zu einem Teil meines Einkommens gemacht. Wir machen Auftritte und die Qigong-Kurse, die ich bisher gratis gegeben habe, habe ich auf Spendenbasis umgestellt und es hat sich gelohnt. Zwar ist der Hauptteil meines Einkommens immer noch der Unterricht, aber es hat sich immerhin schon zu einem 80/20 entwickelt. 

Und ich würde gerne noch unabhängiger werden, denn ich möchte noch mehr Reisen und Erfahrungen in anderen Ländern machen. Aber dafür muss ich meine Unterrichte noch mehr reduzieren oder flexibler gestalten und mehr Einkünfte durch meine Hobbies generieren. 

Ich mache jetzt schon immer mehr Online-Unterrichte, und die kann ich von überall machen. Und ich denke auch darüber nach, wie ich die Einkünfte durch meine Hobbies immer mehr ausbauen kann.

Doch es gibt eine Sache, die man jederzeit machen kann: sich mehr Zeit nehmen

Mehr Zeit, um mit den Menschen, die man liebt, zu sein. Mehr Zeit, um sich ein Bild genau anzuschauen. Mehr Zeit, um sich hinzusetzen und die Natur zu genießen. Mehr Zeit, um den Moment intensiv zu erleben.

Und wie macht an das? Indem man sich auf den oder das andere konzentriert. Indem man volle Aufmerksamkeit oder Achtsamkeit schenkt.

Vielleicht das Handy stumm schaltet, vielleicht eine Verabredung weniger macht. Vielleicht indem man eine Serie weniger sieht. Oder indem man daran geht, die Sachen zu reduzieren, die man eigentlich nicht machen will.

Nimm dir die Zeit! Denn du weißt nicht, wie viel du hast.

Die Schatzsucher – eine Begegnung mit dem Geist der Wahrheit

Die Ersten, an denen ich auf dem New Healing Festival 2022 hängen blieb, waren die Schatzsucher. Hauptsächlich deswegen, weil ihr Vortragender eine Person mit einer sehr positiven und gleichzeitig schelmischen Ausstrahlung war, ein wenig wie ein Harlekin, auch von seiner Kleidung her. Er sprach von den Schatzsuchern und dass sie allen dabei helfen wollen, ihren persönlichen Schatz, die persönliche Bestimmung, zu finden.

Also stattete ich ihrem Stand einen Besuch ab. Dort begrüßte mich Samuel, der Sprecher, ein Mensch dessen Lachen und Freude einfach ansteckend ist.

Er lud mich zu einem ca. 25-minütigen Schatzsuchergespräch ein, das ich dann mit Jenny, einer der Schatzsucher/innen führte.

Diese fragte mich nach einer zentralen Frage, die mich zurzeit beschäftigt und wir einigten uns auf „Wie gehe ich richtig mit meinem inneren Widerspruch um?“ Danach wurden Karten gezogen, wie im Tarot. Eine für meine Vergangenheit, eine für meine Gegenwart und eine für meine Zukunft. Zusätzlich noch zwei „Bestimmungskarten“, die von ihr später, sozusagen als Antwort gezogen wurden. Hier seht ihr das Ergebnis.

Schatzsucher-Karten
Meine Schatzsucher-Karten

Von links unten nach rechts.
Vergangenheit: Skepsis, aber auch offenes Schauen zurück.
Gegenwart: Das Unbekannte liegt hinter den Schildern, aber die Schilder versuchen auch zu definieren, was dahinter liegt. Lass ich mich von den Schildern leiten oder suche ich meine eigene Antwort. Zukunft: Strukturiert, klare harmonische Formen, ein Kind auf einer Wendeltreppe, die in den Garten, in die Natur führt. Schön.

Jetzt gab es eine Meditation und ich musste mir den Geist der Wahrheit vorstellen, der kommt, um mir ein Geschenk zu bringen. Also musste ich mir zuerst einen Ort denken, was mir nicht schwerfiel, denn ein wunderschöner Ort, an dem ich mich sehr gerne aufhalte, liegt nur ca. 500 m von meiner Wohnung entfernt direkt am Strand. Dann sollte ich mir den Geist der Wahrheit vorstellen, eine Person. Wie sähe sie aus? Kurioserweise hatte sie erstaunliche Ähnlichkeit mit Samuel :-). Nun brachte mir der Geist der Wahrheit ein Geschenk. Es war eine kleine Geschenkbox und in dieser Geschenkbox war eine leuchtende Kristallkugel. Jetzt sollte ich den Geist der Wahrheit fragen, was dieses Geschenk bedeutet und er antwortete mir, dass es sich um mein inneres Licht handelte. Und auf die Frage, was ich damit machen sollte, sagte er mir, dass ich meinem inneren Licht folgen soll.

Dann sollte ich ihn fragen, was ich für ihn bin und er antwortete mit: Du bist der Klang! Und die letzte Frage an ihn war dann: Was bin ich für dich? Und die Antwort war: Ein Teil des Ganzen!

Und nun schauen wir uns die Karten an, die Jenny für mich gezogen hat: ein Jüngling oder junge Frau, die auf einer Harfe für die Engel spielt (na ja, meistens spiele ich Gitarre oder Bass ;-)) und zwei sich umfassende Arme, die Himmel und Erde verbinden. Ach ja, und das Gesicht Christi nicht zu vergessen.

Und dann erzählte mir Jenny mit leuchtenden Augen von ihrer Vision, die sie von Jesus Christus hatte.

Alles Zufall? Alles Bestimmung?

Es war ein wirklich schönes Gespräch und die Schatzsucher sind offene, freundliche und strahlende Menschen. Hätte ich das Christentum mit diesen Menschen kennengelernt, wäre vielleicht alles anders gewesen. So war für mich die Fokussierung auf eine Person, auf einen Geist der Wahrheit und letztendlich auf einen Gott etwas zu einfach für mich. Was ist mit den anderen Glaubensrichtungen? Haben die nicht den Geist der Wahrheit entdeckt? Das Fixieren auf Eins macht uns oft blind für das Andere.

Stagnation oder Bewegung im Schneckentempo?

Stagnation oder Bewegung im Schneckentempo? Ich habe seit längerer Zeit keinen neuen Artikel geschrieben, weil ich nicht wusste, worüber ich schreiben soll. Eigentlich weiß ich es immer noch nicht. Aber es ist keine Schreibblockade in dem Sinne, sondern das frustrierende Gefühl von Stagnation.

Ich habe seit längerer Zeit das Gefühl, dass ich meinen Zielen nicht näher komme. Aber was waren meine Ziele und worauf basiert mein Gefühl?

Ziel 1 war mit Schreiben Geld zu verdienen.

Daher habe ich auch dieses Blog angefangen. Ich habe nicht mit diesem Blog angefangen, um der Menschheit neue Erkenntnisse zu bringen, sondern weil ich dachte, dass ich Geld verdienen kann, indem ich der Menschheit Lebenserfahrungen übermittele und gleichzeitig ein bisschen Mut mache, sich neue Ziele zu setzen und zu erreichen, unabhängig vom Alter.

Eine schöne Idee. Aber was passiert, wenn man bei alledem ins Zweifeln gerät. Natürlich auch, weil nicht direkt tausende in dein Blog schauen. Aber hauptsächlich, weil ich selbst den Glauben in mein Projekt verloren habe. Was war das Projekt?

Ziel 2 war mit dem Fahrrad eine Reise nach Afrika zu machen.

Und die Realisierung dieser Reise hing auch mit dem Ziel 1 zusammen. Denn über so einen Event kann man natürlich spannend schreiben und Content generieren. Aber aus familiären Gründen ist dieses Projekt zurzeit nicht machbar, es sei denn ich ziehe es ganz egoistisch durch, egal was mit meiner Familie passiert. Und das ist nicht so meine Art.

Also, was habe ich gemacht?

Ich habe angefangen mich auf meine Weiterentwicklung zu konzentrieren.

Und das ist auch toll, aber hängt nicht direkt mit Ziel 1 oder 2 zusammen. Trotzdem denke ich, dass ich es akzeptieren muss. Außerdem ist es das Beste, was ich jetzt mit dieser Situation anfangen kann. Wenn ich schon nicht fort kann, nutze ich die Zeit, um mich persönlich weiterzuentwickeln.

Also habe ich eine Qigong-Ausbildung an einer Schule in Barcelona angefangen (Instituto Qigong Barcelona) und außerdem habe ich mit meiner eigenen Qigong-Gruppe am Strand angefangen. Beides erfüllt mich mit Freude und macht mir Spaß. Bei der Ausbildung kann ich tiefer in die Materie einsteigen und ich habe jemanden, der mir auch ein Feedback gibt.

Mit meiner eigenen Gruppe, die ich am Strand von Vilanova mache, bin ich sehr zufrieden. Ich habe es geschafft in sehr kurzer Zeit eine recht stabile Gruppe von 10 bis 15 Teilnehmern zu bilden. Klar, die Teilnahme ist kostenlos und ich konnte die Teilnehmer der Gruppe meines Lehrers Antonio ansprechen, die aus über 100 Mitgliedern besteht. Das vereinfacht die Sache natürlich.

Und jetzt, nach circa 6 Wochen, sehe ich auch, dass die Gruppe recht stabil ist und die Teilnehmer regelmäßig wiederkommen, weil es ihnen Spaß macht. Viele haben mir schon gesagt, wie sehr sie es schätzen, wie ich die Klasse gestalte. Meine Klassen sind sehr ruhig, mit vielen Atempausen und der Konzentration auf den eigenen Körper und die Atmung. Außerdem erkläre ich die Übungen, kontrolliere und erkläre die Zusammenhänge zwischen Qigong und chinesischer Medizin und Philosophie. Das gefällt den Teilnehmern sehr, denn die anderen Gruppen, die umsonst an verschiedenen Plätzen stattfinden, bieten keine Erklärungen oder Korrekturen.

Also kann man in meiner Situation nicht wirklich von Stagnation sprechen.

Trotzdem wache ich meistens morgens mit einem eher frustrierten Gefühl auf. Und das zeigt mir, dass grundsätzliche Dinge noch geändert werden müssen.

Mit meiner Arbeit an mir selbst – Meditation, Atemübungen, Qigong – erreiche ich normalerweise, dass sich innerhalb von ein oder zwei Stunden meine Stimmung ändert und meist sogar ins Gegenteil wandelt, sodass ich meistens schon am Vormittag wieder sehr zufrieden bin mit dem Hier und Jetzt. Denn eigentlich kann ich mich über meine jetzige Situation auch nicht wirklich beklagen.

Ich habe viel Zeit, um die Dinge zu machen, die ich machen will und die mir Spaß machen – meditieren, Qigong, Sport, am Strand sein, Musik machen. Ich bin relativ gesund, bis auf meine Magenprobleme. Wir haben genug Geld um alle unsere Kosten zu decken, auch wenn es auf Kosten der Ersparnisse geht. Und meine Familie befindet sich zur Zeit in einer stabilen Situation.

Daher ist die einzige Konsequenz, die ich zur Zeit aus meiner Situation ziehen kann, weiterzumachen.

Denn ich glaube felsenfest daran, dass Veränderungen, auch wenn sie nicht direkt mit meinen ursprünglichen Zielen zusammenhängen, eine Veränderung meines emotionalen, physischen und auch materiellen Zustandes zur Folge haben.

Lassen wir uns überraschen!

P.S: Es ist jetzt der 29.06.23, also eineinhalb Jahre nach diesem Blogpost. Ich habe im Mai dieses Jahres meinen zweijährigen Qigong-Kurs in Barcelona abgeschlossen und mein Diplom in der Tasche. Meinen Qigong-Kurs am Strand, den ich jetzt dreimal die Woche gebe, habe ich auf Spenden umgestellt und erziele damit monatlich eine dreistellige Summe. Außerdem habe ich im Mai auch meinen ersten Qigong-Retreat organisiert, an dem 15 Leute teilgenommen haben und der allen ausgezeichnet gefallen hat. Man kann also sagen, dass ich die richtige Strategie angewendet habe, um aus der Stagnation herauszufinden, auch wenn einem die Änderungen manchmal sehr oder zu langsam erscheinen. Wie ich immer wieder sage – Schritt für Schritt. Und sogar weitergehen, wenn man manchmal vor Nebel den Weg nicht sieht.

Selbstmotivation – Schritt für Schritt aus dem Nebel

Selbstmotivation – Schritt für Schritt aus dem Nebel – aber wie? Ich bin in einer Phase, in der ich wieder an allem zweifele. Und es fällt mir immer noch sehr schwer, diese Phasen einfach zu akzeptieren, als Phasen, die genauso dazu gehören, genauso wie die Phasen, in denen du hoch motiviert bist.

Es sind die Phasen, in denen du versuchen musst wieder auf den Grund zu kommen. Du musst wieder festen Boden unter den Füßen bekommen und merken, dass da eine solide Basis ist.
Du musst wieder anfangen, die Schönheit jedes Tages und jedes Moments zu erkennen. Und seine Unwiederbringlichkeit.
Du musst wieder anfangen innerlich zu lächeln, obwohl du dich in diesem Moment gar nicht so fühlst.
Du musst deinen Weg weitergehen, obwohl ein Nebel dir gerade die Sicht versperrt. Aber innerlich weißt du ja, in welche Richtung es weitergeht. Manchmal braucht es auch wieder Anstöße von Außen, so wie es mir passiert ist.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben?

Ich hatte meinen Plan mit der Afrika-Reise auf unbestimmte Zeit verschoben, da es durch familiäre Probleme unmöglich war die Reise, wie geplant, im Herbst durchzuführen.
Und ich bekam immer schlechtere Laune. Bis ich merkte, dass ich schon anfing anderen „die Schuld“ für das Versagen meines Planes in die Schuhe zu schieben, was meine Laune natürlich nicht verbesserte, sondern mich zum Opfer machte.

In diesem Moment habe ich bei einer Party eine außergewöhnliche Frau kennengelernt. Erst fiel sie mir nur auf, weil sie sehr eigene und unangepasste Ideen hatte. Sie erzählte, dass sie, wenn sie pensioniert würde, sich einen Camper kaufen wollte und alle ihre „stabilen“ Zelte, Wohnung etc. aufgeben wollte und nur noch mit dem Camper reisen will. Heute hier, morgen dort. So wie im Film Nomadland, den ich gerade gesehen hatte.
Ich dachte, dass sie vielleicht keine großen finanziellen Mittel hat und sich deshalb auf so ein Lowcost-Rentnerleben einstellen will. Das war es aber nicht. Sie wird als Beamtin eine gute Rente haben.

Umgebungen, die guttun

Dann erzählte sie, da jemand anderes anfing von den psychologischen Problemen seines Sohnes zu reden und wie schwer es ist, damit umzugehen, von ihren eigenen Erfahrungen mit ihrem Sohn. Er hatte auch erhebliche Probleme in der Kindheit und wurde mit Psychopharmaka behandelt. Das machte sie so lange mit, bis sie merkte, dass sie selbst eigentlich gar keine Probleme mit ihrem Sohn hatte, sondern nur in den Momenten, wo sie versuchte ihren Sohn der Gesellschaft anzupassen. In diesem Moment machte sie eine Kehrtwendung, kämpfte dafür, dass die Medikamente abgesetzt wurden und suchte nach Umgebungen, die für ihren Sohn geeignet waren und ihm guttaten. Und die Symptome ihres Sohnes verbesserten sich erheblich.
Mit dieser Geschichte hatte sie nun endgültig meine Aufmerksamkeit erreicht.

Entscheidungen, die wehtun können

Sie war eine absolute Vertreterin der Meinung, das nur du selbst für deine Situation verantwortlich bist und keiner sonst. Und dass es immer eine Möglichkeit gibt, die Situation zu verändern, wenn es sein muss. Manchmal können das natürlich radikale Entscheidungen sein, Entscheidungen die wehtun, dir selbst, aber vielleicht auch anderen. Aber alles ist besser als eine Situation, in der man unglücklich ist, zu ertragen und einfach weiterlaufen zu lassen.
Und damit führte sie mir eigentlich nur wieder vor Augen, was ich selbst denke, aber durch die Situation, in der ich mich befand, vergessen hatte. Ich hatte den familiären Problemen die Kontrolle über mich gegeben.
Sie zog mir wirklich den Schleier vor den Augen weg und mir wurde klar, dass ich den Plan nicht einfach auf unbefristete Zeit liegen lassen kann. Ich musste einen neuen Plan fassen, einen neuen Zeitpunkt festlegen. Selbst falls dieser Zeitpunkt auch wieder verschoben werden muss.

Neue Ziele, neue Herausforderungen

Aber jetzt gibt einen neuen Zielpunkt, Frühjahr 2022, und es gibt noch viel für die Reise zu klären und zu erforschen. Mit welchem Fahrrad fahre ich? Mountainbike oder lieber doch E-Bike? Beides hat seine Vor- und Nachteile. Aber ich muss es entscheiden, da ich mir ein Modell aussuchen muss, das dann für die Reise zurechtgemacht werden muss.
Welche Strecke will ich genau fahren? Durch das Inland von Spanien, was mich eigentlich mehr interessiert, aber auch anstrengender sein wird, oder den Euro-Velo 8, der immer an der Küste entlang geht. Und in Marokko? Der interessantere, aber auch wesentlich anstrengendere Weg nach Marrakesch geht über den Atlas. Mit Mountainbike und ich sag mal 30 Kg Gepäck?

Es gibt also noch viel zu tun und zu recherchieren. Und da ich mir einen neuen Zielpunkt gesetzt habe, muss ich mich auch allmählich darum kümmern.

Also, trotz der Zweifel – geh deinen Weg, Schritt für Schritt!

»Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht immer noch schneller als der, der ohne Ziel herumirrt«

Gotthold Ephraim Lessing

Disziplin oder Unmenschlichkeit? Wieviel Disziplin ist „menschlich“?

Disziplin oder Unmenschlichkeit? Will ich überhaupt diszipliniert sein? Auf der einen Seite schon, denn ich würde gerne die Sachen erreichen, die meinen wahren Wünschen und Träumen entsprechen.

Will ich immer diszipliniert sein?

Eigentlich nicht, denn es kommt mir so unmenschlich vor. Der Mensch besteht doch auch aus seiner Inkonsequenz, oder? Das ist menschlich.
Menschlich sind doch nicht diese Übermenschen, die alles realisieren, was sie sich vorgenommen haben und das eisenhart durchziehen. Ich finde sie sogar meistens unsympathisch.

Aber nehmen wir z.B. einmal das Thema Alkohol trinken oder Fleisch essen.

Alkohol – ich würde gerne immer einen Tag mit und mindestens einen Tag ohne Alkohol machen, aber das schaffe ich bisher nicht. Es gibt immer irgendwelche Ausnahmen und dann trinke ich doch wieder fast täglich, weil es ja doch nicht so wichtig ist und ich ja auch nicht „so viel“ trinke. Außerdem bringt einen Trinken ja auch so angenehm locker drauf. Ich verwässere also meine eigenen Ideen und werde dadurch inkohärent.

Oder Fleisch essen – ich esse gerne Fleisch, weil es mir ausgezeichnet schmeckt. Allerdings bin ich ganz klar gegen Massentierhaltung und die ökologischen, klimatischen und sozialen Katastrophen, die damit zusammenhängen. Rund 1/3 der weltweiten Agrarflächen werden zur Futtermittelherstellung verwendet, während es auf der anderen Seite 800 Millionen hungernde Menschen auf der Welt gibt. Außerdem ist die Massentierhaltung einer der großen Faktoren beim Klimawandel.

Mir gefällt auch der Gedanke nicht, dass ein Tier für mich sterben muss, damit ich es essen kann. Denn, wenn ich das Tier persönlich kennen würde, würde ich es bestimmt nicht töten, um es essen zu können. Dazu habe ich zu viel Respekt vor dem Leben. Das gilt bei mir übrigens komischerweise nicht für Fisch – außer Kraken.

Aber meine Familie isst genau so gerne Fleisch wie ich und will eigentlich auch nicht darauf verzichten. Darum kaufen wir in letzter Zeit hauptsächlich biologisches Fleisch, wo zumindest der erste Aspekt (Massentierhaltung) schon einmal beseitigt ist.

Wäre es hier nicht auch konsequent und diszipliniert zu sagen – mir ist es egal, ob ihr weiter Fleisch essen wollt. Ich will es nicht mehr.

Wäre diese Konsequenz jetzt gut oder würde es mich zu unmenschlich machen?

Oder würde es mich besser machen? Dasselbe kann man sagen über frühes Aufstehen, frühes ins Bett gehen, weniger fernsehen, weniger Süßes essen etc. etc.

Im Buch „The Miracle Morning“, das ich gerade lese, steht:

„Jedes Mal, wenn du den leichten Weg nimmst, anstatt das Richtige zu tun, formst du deine Persönlichkeit und du wirst die Person, die lieber den leichten Weg nimmt und nicht den Richtigen. Auf der anderen Seite, wenn du entscheidest den richtigen Weg zu nehmen und damit deinen eigenen Ideen und Einsichten zu folgen – besonders in dem Moment, in dem du dich nicht danach fühlst – entwickelst du damit die außerordentliche Disziplin, die notwendig ist, um außerordentliche Dinge in deinem Leben zu kreieren.“

The Miracle Morning – Hal Elrod


Klingt logisch. Wäre toll. Aber klingt das nicht ein wenig unmenschlich? Oder ist das nur eine blöde Entschuldigung um nicht konsequent sein zu müssen.

Hal Elrod schreibt außerdem, dass dies den Unterschied macht zwischen einem mittelmäßigen und einem außerordentlichen Leben.

Starker Tobak, nicht? Also, Disziplin oder Menschlichkeit? Oder ist es kein Widerspruch?

P.S.: Dies hier soll keine Werbung für das Buch von Hal Elrod sein. Es ist ein typischer Ratgeber, der dir erzählt wie du mit dieser Methode dein Leben komplett ändern und glücklich und reich werden kannst. Wie viele Ratgeber enthält er nichtsdestotrotz einige Weisheiten und funktionierende Konzepte. Darüber kann sich bei Interesse jeder selbst seine Meinung bilden.

Zen, the Secret, NLP…? Welcher Weg ist der Richtige für mich?

Welcher Weg ist der richtige für mich? Im Netz gibt es hunderte von Ratgebern über ein glückliches und erfülltes Leben und wie du deinen Weg dazu findest. Aber hattest du nicht auch immer das Gefühl, das die Einzigen, die von diesen Ratgebern reich und glücklich werden, diejenigen Leute sind, die den Ratgeber geschrieben haben?

Also, welches ist der richtige Weg für dich?

In meinem Fall habe ich das Gefühl, das ich immer die Wege von anderen gegangen bin. Schon früh habe ich angefangen Musik zu spielen und dann wollte ich immer Musiker werden. Aber ich habe nicht angefangen Musik zu spielen, weil ich es wollte, sondern weil meine Eltern es wollten.

Musik gefällt mir sehr, ich kann mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen. Aber war das „mein“ Weg?

Ich bin auch nicht professioneller Musiker geworden, weil ich es nie geschafft habe mich täglich 4-5 Stunden hinzusetzen und mein Instrument zu üben oder mich mit Kompositionstechnik zu beschäftigen. Und ich hielt es immer für Faulheit, aber im Nachhinein weiß ich, dass es fehlende Motivation war, denn ich kann hart arbeiten. Aber es war nicht mein Weg.

Anstatt Musiker zu werden, habe ich dann in einem Musikvertrieb gearbeitet und bin Kaufmann geworden. Danach bin ich selbstständiger Unternehmer geworden und habe u.a. eine digitale Musikfirma gegründet. Aber wollte ich wirklich Unternehmer werden? Ich glaube, ich wollte meinem Vater zeigen, dass ich so erfolgreich werden konnte wie er und dabei sogar noch das Risiko der Selbstständigkeit eingehen, was er nie gemacht hatte. Ich wollte also meinen Vater sogar übertrumpfen. War das „mein“ Weg?

Ich habe das Gefühl: Ich bin immer die Wege von anderen gegangen.

Also, wie findet man denn seinen eigenen Weg? Gibt es dafür einen Ratgeber?

Ich denke, es gibt 10 Ratgeber, oder 100 Ratgeber, oder 1000 Ratgeber. Denn Alles Wissen über ein glückliches und erfülltes Leben gibt es schon seit Sokrates oder früher. Alles wurde schon gesagt. Share on X Und fast alle Ratgeber sind nur auf die eine oder andere Art und Weise neu konfektioniert worden. Wir wissen eigentlich schon alles.

Wichtig ist, meiner Meinung nach, welcher von den Ratgebern dich anspricht, welcher bei dir auf fruchtbaren Boden fällt. Welche Worte und Texte animieren dich und bewegen dein Inneres? Das sind die Texte, denen du mehr Zeit widmen solltest, die du auf dich wirken lassen solltest. Und dann wirst du sehen, ob sie für dich funktionieren und mehr bewegen oder nicht. (Siehe auch den Artikel: Das  sind doch alles nur Binsenweisheiten)

Dein Interesse, deine Motivation ist die innere Stimme, die dich leiten kann. Und keiner kann dir deinen individuellen „richtigen“ Weg zeigen, denn jeder Weg ist anders.

Aber du kannst Tipps annehmen, du kannst Techniken verwenden, die dich ansprechen. Und ausprobieren, ob sie für dich funktionieren. Allein schon das Interesse, dich für deinen Weg zu interessieren ist der richtige Anfang. Die Suche ist der Weg.

Und deswegen empfehle ich auch:

Folge nicht einem Lehrer. Folge 10 Lehrern. Oder mehr, wenn du willst. Share on X

Jeder gute Lehrer/Ratgeber kann dir etwas zeigen, auch wenn es vielleicht nur eine einzige Sache ist. Einer motiviert dich vielleicht zur Morgenroutine, weil er die richtigen Worte für dich gefunden hat. Einer motiviert dich zur Meditation oder gesunder Ernährung. Ein anderer motiviert dich Sport zu treiben oder Empathie zu trainieren. Es gibt so viele Möglichkeiten seinen Weg zu begehen und zu lernen seiner inneren Stimme zuzuhören.

Im Endeffekt kann dir sogar jeder Mensch oder jede Situation etwas zeigen.

Z. B. meine letzte Situation, aus der ich etwas Wichtiges gelernt habe. Vielleicht nicht besonders philosophisch, aber praktisch. Es ist mir auf meiner letzten Radtour passiert. Ich wollte an einer Stelle, kurz vor einer nicht einsehbaren Kurve, auf die andere Seite wechseln, um dort ein Foto zu machen. Also blieb ich stehen und lauschte ob ein Auto oder Motorrad kam. Und ich hörte nichts. Also kreuzte ich schnell die Strasse. In diesem Moment kam ein ganzer Trupp von Rennradfahrern mit hoher Geschwindigkeit durch die Kurve gefahren. Hätte ich die ganze Aktion also 5 Sekunden später gemacht, hätte es wahrscheinlich eine Massenkarambolage gegeben. Ich hatte sie einfach nicht gehört. Und ich hatte auch nicht daran gedacht, und das obwohl ich selbst Fahrrad fahre. Das wird mir bestimmt nicht wieder passieren.

Aber es können auch viel belanglosere alltägliche Dinge sein, die dir etwas zeigen und dich leiten wollen.

Wie z.B. die Ratschläge und Sinnsprüche meiner Oma – etwa dieser hier: „Was du nicht willst, was dir man tut, das füg auch keinem andern zu.“ Dieser Spruch beinhaltet die Grundregel fast aller Religionen.

So kannst du aus vielen Texten und Gelegenheiten, die „richtigen“ Wahrheiten für dich finden, die dir helfen deinen Weg zu finden und dir auf deinem Weg zu nützen. Aber das Wichtigste: Höre auf dich selbst!

Und noch ein interessanter Aspekt, auf den ich letztens bei meinen Recherchen gestoßen bin. Du solltest reflektieren, was du dir unter einem glücklichen Leben vorstellst und wie du derzeit lebst. Je mehr es miteinander übereinstimmt, desto näher bist du am persönlichen Glück. Hierzu ein interessanter (Schnell-)Test auf dieser Seite.
Schnell? 10 Minuten musst du schon investieren und um die Auswertung zu lesen brauchst du auch noch ein bisschen Zeit.

Aber diese Zeit sollte man schon übrig haben, wenn man nach dem richtigen Weg fragt.

Das Monster, das die Wand durchbricht – Wie ich die Angst überwinde meine Komfortzone zu verlassen

Wie überwinde ich die Angst meine Komfortzone zu verlassen? Die Komfortzone ist der Bereich, in dem ich mich wohl und sicher fühle, meine „Wohlfühlzone“. Aber um etwas Neues zu erfahren, muss ich sie verlassen. Doch die Komfortzone hat ihre eigenen „Sicherheitsmaßnahmen“ um dies zu verhindern.

Die Komfortzone ist von einer Wand umgeben! Was will ich damit sagen? Ich habe schon über meine 3-Tage-Fahrradtour geschrieben und mein Fazit darüber zusammengefasst. Aber viel wichtiger ist der Teil, der vorher passiert ist.

Als ich nämlich meine 3-Tage Tour vorbereitete, merkte ich, das sich innerer Widerstand regte, gegen diese Strapaze und Unbequemlichkeit, die ich vorhatte zu tun. Ich sah nicht das Positive – nachts in der Natur übernachten, Ruhe, Stille, Natur, Einsamkeit – sondern dachte mir im Stillen, das ich alter Mann mir so etwas nicht antun sollte.

Meinem Rücken ging es gerade nicht so besonders und meine Knie sind sowieso ein permanentes Problem. Und dann wollte ich es meinem Körper antun so lange und zusätzlich mit Gepäck Fahrrad zu fahren und nachts auf einer Luftmatratze zu schlafen?

Natur Einsamkeit
Natur, Einsamkeit und wilde Tiere 😉

Außerdem kamen mir Gedanken an wilde Tiere, die mich nachts aufschrecken (was ja witzigerweise passiert ist), Wildschweine zum Beispiel, oder Gedanken an Serienmörder – gibt es viele Serienmörder in Katalonien?

Es war wie bei „Stranger Things“ – die Gedanken waren wie ein Monster, das die Wand durchbricht und dich fressen will.

Dieser Widerstand, diese Unruhe, diese Ängste, das sind die Abwehrkräfte deiner Komfortzone, die das Monster, das langsam durch die Wand bricht, aufhalten wollen. Sie hat Angst davor, Angst, dass da etwas durch die Wand kommen könnte, was dein bequemes Leben verändert.

Das Interessante daran ist natürlich, dass das Monster ein Teil von dir selbst ist, der Teil der sich verändern möchte, der Teil, der es satt hat immer gemütlich auf dem Sofa zu sitzen. Und gerade mit fortschreitendem Alter wird diese Komfortzone immer bequemer und die Wand immer dicker. Und deswegen werden auch die Widerstandskräfte immer größer. Deshalb verkleidet deine Komfortzone diese Kräfte, die auf Veränderung drängen, als Monster, als etwas Schlechtes und Gefährliches, obwohl es deine eigentlichen Wünsche und Bedürfnisse darstellt.

Dazu ein schönes Zitat, was ich vor Kurzem gefunden habe:

„Alles, was du willst, liegt auf der anderen Seite der Angst.“

Jack Canfield – Autor von „Hühnersuppe für die Seele“

„Willst du diese Reise wirklich machen?“

Daher ist es wichtig, trotz Angst und innerer Widerstände, deine Entscheidungen durchzuziehen. Danach kann man darüber urteilen, aber nicht vorher. Außerdem kann man auch rationalisieren, also mit gesundem Menschenverstand abschätzen, wie hoch die Gefahren wirklich sind. Und sollte es einen wirklichen Notfall geben, kann man immer noch abbrechen. Meine Frau hatte mich vorher noch gefragt: „Willst du diese Reise wirklich machen?“, worauf ich ihr geantwortet habe: „Das kann ich dir danach sagen.“

Und ja, ich bin froh, dass ich diese Tour gemacht habe, auch wenn ich mich danach erst mal wieder erholen musste (siehe Fazit). Außerdem bin ich froh, dass ich nicht auf meine Widerstände gehört habe. Erstens war die Reise toll, ich habe viele wunderschöne Orte gesehen, die ich vorher noch nicht kannte. Ich habe in der Stille der Natur sein können und einen Sternenhimmel, wie schon lange nicht mehr, sehen können. Und zweitens habe ich gespürt, dass ich noch ziemlich belastungsfähig bin. Fast 200 km in drei Tagen. Ich hatte mir das vorher auf der Karte so überlegt und letztendlich habe ich es geschafft.

Klar habe ich aus meinen Erlebnissen auch Konsequenzen gezogen und werde einige Dinge beim nächsten Mal anders machen. Aber dafür war die Tour ja auch da. Um Erfahrungen zu sammeln.

Und ich merke schon wie sich langsam Widerstände für meine nächste einschneidende Entscheidung aufbauen, nämlich meinen aktuellen Job zu verlassen. Aber ich weiß, dass ich auch diese Entscheidung durchziehen muss, um dem Leben die Tür zu öffnen und neuen Raum zur Verfügung zu stellen. Denn, wenn man neue Elemente und Einflüsse in seinem Leben haben will, muss man dafür auch Platz machen.

Und keine Angst vor dem Monster haben, denn das Monster ist nur ein verkleideter Teil von dir selbst.

3 Tipps um Frust bei Rückschritten und Misserfolgen zu vermeiden

Frust bei Rückschritten und Misserfolgen vermeiden: Einen Schritt zurück – zwei Schritte vorwärts. Eigentlich würde man „Zwei Schritte vorwärts, einen Schritt zurück“ sagen. Aber ich habe mir überlegt, wie ich meine Überschriften ein bisschen positiver gestalten kann. Denn wenn man so durch die Überschriften meines Blogs durchschaut, bekommt man vielleicht den Eindruck, dass es sich nur um Angst, Misserfolge und Frustrationen dreht.

Und ja, es dreht sich auch darum, denn das sind alltägliche Dinge. Aber es geht immer genau darum, wie jeder damit umgeht und wie man diese negativen Umstände oder Gefühle auflöst oder sogar in etwas Positives umwandelt. Also habe ich mir vorgenommen meinen Stil für die Überschriften zu ändern ;-).

Heute geht es also um „Zwei Schritte vorwärts, einen zurück“. Oder besser gesagt, um das Gefühl, dass man schon weiter gewesen ist und einen Rückschritt gemacht hat, und sich dadurch frustrieren lässt. In diesem Fall muss man sich bewusst machen, dass man sich trotzdem schon weiter entwickelt hat und muss sich an den Fortschritten und Fähigkeiten orientieren, die man in der Zwischenzeit erreicht hat, denn Entwicklungen sind nie linear.

Als ich zum Beispiel letztens von meiner 3-Tage-Fahrradtour zurückkam und vollkommen erschöpft und lädiert war, bin ich erst mal wieder in eine depressive Stimmung abgerutscht, wie ich sie seit Langem nicht mehr erlebt hatte. Und ich habe nur 4 Tage gebraucht, um mich wieder aus dem Tal zu holen.

Also kann ich daran zwei wesentliche Fortschritte feststellen.

  1. Ich habe mich schon seit längerer Zeit aus meinem depressiven Zustand befreit
  2. Ich bin fähig mich in kurzer Zeit wieder aufzurappeln

Eine wichtige Hilfe für mich sind dabei meine täglichen Morgenroutinen. Speziell durch meine morgendliche Meditation kann ich meine Gefühlswelten rasch wieder ins Gleichgewicht bringen.

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Beharrlichkeit, denn

1. Für das Glück muss man jeden Tag arbeiten. Morgenroutinen

Es ist nicht auf einmal da und bleibt dann. Du musst jeden Tag deine Routinen durchführen, um deine tägliche Kraft wieder aufzufüllen und um gegen die negativen Kräfte, denen du immer wieder im täglichen Leben begegnest, anzukämpfen.

Und diese tägliche Beharrlichkeit gibt dir eine unaufhaltsame Kraft der Selbstentwicklung. Es ist wie ein Muskel, den du täglich trainierst. Es wird trotzdem Tage geben, an denen du dich schlapp fühlst, aber das tägliche Training wird deine Muskeln unaufhörlich stärken. Und irgendwann nimmst du kaum noch wahr, dass du stark geworden bist. Doch die kleinen Rückschritte nimmst du sehr wohl wahr.

Deswegen ist es immer wieder wichtig zu sehen, an welchem Punkt du dich gerade befindest und welchen Weg du schon hinter dich gelegt hast.

2. Du musst Maßstäbe finden, an denen du deine Entwicklung selbst messen kannst.

  • Gefühlszustände: wie sind deine Gefühlszustände? Schwanken sie sehr, bist du oft depressiv oder schlecht gelaunt, fühlst du dich glücklich?
  • Gesundheit: ist dein Gesundheitszustand stabil, bist du oft krank, haben sich Krankheiten oder Beschwerden verbessert oder verschlechtert?
  • Gewicht: wolltest du weniger oder mehr wiegen? Bist du auf dem Weg dahin?
  • Sportlichkeit: machst du mehr Liegestütze als vorher, kannst du ohne Probleme längere Strecken fahren, kannst du länger laufen, ohne aus der Puste zu kommen oder Beschwerden zu haben?
  • Wiederkehrende Träume: hast du wiederkehrende Träume die dich allmählich in Ruhe lassen?
  • Soziales Umfeld: wolltest du ein besseres soziales Umfeld haben, mehr Freunde, Bekannte oder Gleichgesinnte? Hast du es erreicht?
  • Tagesabläufe: hast du die Routinen eingeführt, die du einführen wolltest? Hast du Dinge unterlassen, die du nicht mehr machen wolltest?

Und es gibt bestimmt noch mehr Dinge, die du verändern wolltest und an denen du dich messen kannst. Und du wirst sehen: wenn du deine täglichen Routinen, dein tägliches Training einhältst, wird es dich unweigerlich nach vorne bringen.

3. Tagebücher und Situationsbeschreibungen

Ich habe für mich auch verschiedene Tagebücher und Situationsbeschreibungen angelegt, die ich nicht unbedingt täglich, aber regelmäßig aktualisiere. So kann man hervorragend sehen, welche Probleme oder Themen zu einem bestimmten Zeitpunkt aktuell waren und es jetzt nicht mehr sind.

Und irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem du zu dir selbst sagst: „Heute fühle ich mich, als ob ich einen Rückschlag erlitten hätte, aber ich weiß, dass ich schon viel erreicht habe.“

Bild von Hebi B. auf Pixabay

Fazit 3-Tage-Tour – Der Weg zum Erfolg ist mit Misserfolgen gepflastert

Das Fazit meiner 3-Tage-Fahrradtour ist sehr ernüchternd. Und das, obwohl die Tour selbst sehr toll gewesen ist, aber auch sehr anstrengend. Man kann sagen, dass die Tour mich stimmungsmäßig erst mal ganz schön heruntergeholt hat. Ich bin danach wieder in ein depressives Loch gefallen, das ich so schon lange nicht mehr erlebt hatte. Warum? Ich denke, weil die Tour mir gezeigt hat, dass ich eine 3-monatige Tour unter ähnlichen Bedingungen nicht durchführen kann. Es ist einfach zu viel für meinen Körper. Die Tour hat mir gezeigt, dass ich nicht mehr 41 bin, sondern 61 und ich muss darauf Rücksicht nehmen. Ich darf mich nicht selbst überfordern oder verletzen und auf Supermann und „Indianerherz kennt kein Schmerz“ machen.

Ich kam nach Hause mit einer Menge Verletzungen und Wehwehchen, die jetzt, nach einer Woche, noch nicht alle auskuriert sind. Mit den Spikes der Pedale habe ich mir ziemliche Verletzungen an den Unterbeinen zugefügt, die sich am rechten Bein entzündet haben und jetzt erst ganz langsam, mit täglicher Behandlung mit Alkohol und Betaisodona zurückgehen. Meine Lippen waren total trocken und rissig, weil ich wegen der großen Anstrengung, viel durch den Mund geatmet habe. Das habe ich erst nach mehreren Tagen mit einem Lippenbalsam von Weleda wieder kurieren können.

Was mich am meisten irritiert, ist ein Taubheitsgefühl im linken kleinen Finger, das am dritten Tag der Tour auftauchte. Ich habe ein bisschen im Internet gestöbert und es kann durch eine Verengung eines Nervenkanals im Ellenbogen kommen. Wahrscheinlich ist es dadurch entstanden, dass ich komplett eingemummelt im relativ engen Schlafsack geschlafen habe und auch meine Arme im Schlafsack hatte. Das war natürlich nicht gerade bequem und die Arme lagen oft angewinkelt, was zu einer Abklemmung im Ellenbogen geführt haben kann. Das muss ich noch weiter beobachten. Ich hoffe, dass es sich von allein verbessert.

Was mich allerdings erstaunt hat, ist das meine Knie optimal durchgehalten haben. Ich hatte überhaupt keine besonderen Beschwerden.

Fazit 2: Ich habe vor Kurzem in einem TED-Talk von Karla Souza einen dieser Sprüche gehört, die sich einprägen. Ihr wisst, manche Sachen habt ihr schon tausendmal gehört, aber auf einmal sagt jemand sie auf die einzigartige Art und Weise, die sich bei euch einprägt. So war dieser Satz, ein Zitat von Winston Churchill, dass ich etwas abgewandelt und gekürzt habe, nämlich:

Der Weg zum Erfolg ist mit Misserfolgen gepflastert

Eigene Erkenntnis

Hört sich erst einmal negativ an. Das kommt aber darauf an, was du aus deinen Misserfolgen machst. Wenn du immer wieder daraus lernst, macht es dich immer besser, es werden Lernerfolge, und irgendwann werden die „Misserfolge“ immer kleiner, denn du bist deinem Ziel schon viel näher gekommen.

Ein anderes schönes Zitat zu dem Thema kommt von Thomas Edison, der die Misserfolge ins Positive gedreht hat:

 „Ich bin nicht gescheitert – ich habe 10.000 Wege entdeckt, die nicht funktioniert haben.“

Thomas Edison

So fühle ich mich heute. Ich musste mich in den letzten Tag wieder Tag für Tag aufbauen, mich an den Haaren aus der Scheiße ziehen, wie man so schön sagt. Aus der Stimmung, dass ich mein großes Ziel mal locker vergessen kann, über „egal, das Leben geht auch ohne mein großes Ziel weiter“ bis „ok, mal sehen, was können wir verändern, um mein großes Ziel zu erreichen. Was für Zwischenschritte müssen wir vielleicht einlegen.“

Ich bin also von der absoluten Trostlosigkeit in nur vier Tagen wieder zu einem positiven Pragmatismus gekommen. Was immer noch nicht heißt, das ich super drauf bin, aber ich bin auf dem besten Weg. Was mir dabei sehr geholfen hat, war natürlich meine Tagesroutinen wieder konsequent aufzunehmen, die ich in den Tagen nach der Reise zuerst vernachlässigt habe, mit der Entschuldigung, dass ich mich ja erst mal erholen muss und es mir gönnen kann, nicht so früh aufzustehen. Aber das war reiner Selbstbetrug. Ich habe mich nur in meiner schlechten Stimmung gebadet.

Nachdem ich also meinen ersten Frust verdaut hatte und mein Geist wieder anfing positiv zu denken, bin ich auf folgende Dinge gekommen, die ich vor oder bei der nächsten längeren Tour ändern muss:

Änderungen am Fahrrad:

  1. Ich muss die Pedale am Fahrrad wechseln, um mich nicht zu verletzen, denn einen Kontakt mit den Unterbeinen, speziell, wenn das Fahrrad mit Gepäck beladen ist, lässt sich kaum vermeiden.
  2. Die Satteltaschen sind so nicht gut oder nicht gut angebracht, da die Hacken der Füße beim Treten oft daran schlagen. Ich muss nach Alternativen suchen oder sie anders befestigen.

Änderungen in der Planung:

  1. Die Tagesabschnitte sollten kleiner sein, damit es nicht so anstrengend ist und man auch am Nachmittag noch Zeit hat ein bisschen von der Umgebung erkunden zu können
  2. Ich müsste mindestens jede zweite Nacht in einer Herberge oder auf einem Campingplatz schlafen, um mich zu erholen und meine Geräte aufladen zu können
  3. Ich sollte vor der großen Reise eine 1-Wochen oder 10 Tage Test-Tour unter den neuen Bedingungen machen, vielleicht einen Teil des Jakobsweges, der überall Herbergen hat, die teils sogar kostenlos für die Pilger sind

Änderungen beim Gepäck:

  1. Das nächste Mal sollte ich auch einen kleinen Erste-Hilfe-Kasten mitnehmen 😉

Wer die einzelnen Tage meiner 3-Tage-Tour nachlesen und die Fotos sehen möchte klickt hier:

Bild von joduma auf Pixabay

Tipps fürs jung bleiben – oder – wie alt fühlst du dich?

Tipps fürs jung bleiben: nicht mehr in den Spiegel schauen! 😉
Ich möchte nicht mehr in den Spiegel schauen, um nicht zu sehen, wie alt ich bin. Denn wenn ich die Augen schließe und fühle, wie alt ich bin, fühle ich mich viel jünger. Und dieses Alter, dass ich fühle, wenn ich die Augen schließe, empfinde ich als mein authentisches Alter. Und ich muss sagen, dass ich mich irgendwo zwischen 16 und 27 fühle. Manchmal mehr, manchmal weniger. Es kommt auch auf die Situation an.

Aber was ganz klar ist, ist das ich mich nicht altersentsprechend verhalten kann, denn ich fühle mich nicht entsprechend dem Alter, das in meinem Pass steht. Und das empfinde ich als ganz großen Vorteil.

Die Welt mit Kinderaugen sehen

Mit Kindern kann ich spielen wie ein Kind. Ich kann mich mit Ihnen für kleine Dinge begeistern und versuche die Welt durch ihre Augen zu betrachten, die Welt mit Kinderaugen zu sehen. Deswegen macht es mir wahrscheinlich auch so einen Spaß kleine Kinder zu unterrichten.

Wenn ich die Augen schließe, fühle ich keinen 60-jährigen Mann mit Knieproblemen und anderen Wehwehchen. Ich fühle einen Menschen, der Energie hat und noch vieles erleben möchte.

Am meisten Probleme habe ich mit Menschen, die sich erwachsen und vernünftig verhalten, zumindest deren Verhalten ich so interpretiere. Das sind Menschen, die sich an die Regeln und Verhaltenskodexe halten, die immer korrekte Kleidung tragen und bei denen man das Gefühl hat, dass man sie auch durch Roboter austauschen könnte.

Zum Glück kenne ich solche Menschen nicht mehr, da ich mich nicht mehr in Umgebungen aufhalte, in denen ich mich nicht wohlfühle. Und meine Freunde sind auch nicht so, denn sonst wären es nicht meine Freunde. Ich liebe mit Menschen zu sein, die ihr Leben kreativ leben, die schon lange dem „normalen“ Arbeitsleben „adios“ gesagt haben oder die zumindest auch in ihrem normalen Alltag versuchen Dinge zu realisieren, die über den üblichen Alltag hinaus gehen.

Das ist die Art von Leben, wie sie mir gefällt und ich glaube es ist auch die Art Leben, die dich innerlich jung hält.

Tipp für ein Jungfühl-Training:

In letzter Zeit führe ich ein neues High Intensity Training durch. Ich nehme mir einen sehr rhythmischen Song, drehe ihn auf volle Lautstärke (5-6 Minuten tagsüber werden die Nachbarn noch aushalten) und tanze dazu wie ein Verrückter. Ich lasse meinen Bewegungen chaotisch freien Lauf. Es gibt also keine koordinierten Tanzbewegungen, sondern ich lasse meinen Körper sich bewegen, wie er gerade Lust hat, inklusive Schreie oder komische Laute. Kopf schütteln, Backen schütteln, Lippen schnauben, Arme schlenkern, hüpfen, alles was mir oder meinem Körper gerade so einfällt. Nach 5 oder 6 Minuten ist man vollkommen ausgepowert, fühlt sich sehr locker und überhaupt nicht erwachsen.

Bild von Geralt auf Pixabay

Facebook ist voll von Geistern

Facebook ist voll von Geistern – und erinnert einen manchmal daran, das Leben zu schätzen.

Seit dreizehn Jahren benutze ich Facebook und in dieser relativ kurzen Zeit sind schon einige von meinen Freunden oder Bekannten, die ich in Facebook hatte, gestorben. Doch meistens verbleibt ihr Profil auf Facebook. Wenn man es nicht weiß, denkt man vielleicht sogar, das die Person noch lebt, denn es gibt ja viele inaktive Konten. Aber dann, vielleicht durch einen Zufall oder durch einen anderen Freund, erfährt man, dass diese Person gestorben ist und es gibt den berühmten Stich ins Herz oder diesen Moment der Erkenntnis, dass alles vorbeigeht und für manche früher als für andere.

Der Ahnenschrein in Facebook

Ich finde es prinzipiell schön, wenn die Erinnerungen an eine Person auf Facebook weiterleben und man manchmal wieder nachschauen kann, sich an Ereignisse erinnern kann, und natürlich auch den Verlust in sich spürt, das Loch, das eine Person hinterlassen kann.

Eine besondere Person für mich war Chris. Als wir uns kennenlernten und mehr miteinander zu tun hatten, kannten wir uns gar nicht so gut. Wir waren also keine Freunde im eigentlichen Sinne, obwohl er ein sehr lieber Typ war. Wir waren Arbeitskollegen in einem für uns bedeutungsvollen Projekt namens „Subaudio„. Chris war eher der schüchterne, introvertierte Typ, und so kam es nicht zu besonderen Annäherungen oder Erlebnissen.

Aber die letzte Kommunikation mit ihm wird mir immer im Gedächtnis bleiben. Irgendwann suchte ich nämlich nach den Kumpels aus diesem Arbeitsprojekt. Mit manchen habe ich immer noch Kontakt, mit anderen hatte ich den Kontakt verloren. Und so suchte ich auch nach Chris und fand ihn auf Facebook. Ich hatte direkt Lust ihm eine Message zu schreiben und tat es auch. Als ich ein paar Tage später seine Antwort bekam, stand ich einen Moment unter Schock und es war einer dieser Momente, die dein Leben nachhaltig beeinflussen.

Eine lebensverändernde Nachricht

lieber sascha,

schön, mal wieder was von dir zu hören.

mir geht es den umständen entsprechend gut. mitte juli 2003 wurde bei mir ALS (amyotrophe lateralsklerose) diagnostiziert. das ist eine nervenkrankheit, bei der die für die muskeln zuständigen nerven absterben. ich bin mittlerweise vollständig gelähmt und ans bett gefesselt. nach einem atemstillstand mitte juli 2005, wegen dem ich wiederbelebt werden musste und 3 tage im künstlichen koma lag, werde ich künstlich beatmet und ernährt. ich bin nach einem krankenhausaufenthalt bis februar 2006 in eine schöne altbauwohnung in der max-brauer-allee gezogen und werde rund um die uhr von einem jungen und engagierten pflegeteam betreut.

ich bin mehrmals dem tod von der schippe gesprungen und habe eine wahre krankenhaus-odysee hinter mir. jetzt war ich aber seit juli 2009 nicht mehr im krankenhaus und fühle mich super. ich bin schmerzfrei. ich surfe täglich mehrere stunden, maile und kann sogar grafikprogramme bedienen. möglich macht das ein sprachcomputer mit augensteuerung an den mein macbook angeschlossen werden kann. der sprach-pc kostet nur xx.xxx euro, ein richtiges schnäppchen also. ;O)

lass weiter von dir hören. deine website gucke ich mir später an.

liebe grüsse, chris

Wie kann jemand, der sich nicht mehr bewegen kann, der künstlich beatmet und ernährt wird, der ein tägliches Pflegeteam um sich herum hat, sagen das es ihm SUPER geht, während ich (und wahrscheinlich viele andere Menschen auch) mich manchmal wegen jedem kleinen Scheiß aufrege oder mich schlecht fühle?

Wie ein Knoten im Taschentuch

Ich habe diese Mail von ihm ausgedruckt und lange in meinem Portemonnaie mit mir herumgetragen, damit ich sie mir in Momenten, in denen ich mich besonders schlecht fühle, herausholen kann und sie mir wieder ins Gedächtnis rufe.

(Auf seinem T-Shirt steht „Sieger“)

Chris starb im Jahre 2012. Chris ist immer noch in meiner Freundesliste, aber jetzt ist Chris ein Geist. Einer der guten Geister, die immer noch in Facebook umherschwirren, und ab uns zu gehe ich auf seine Seite und sehe, wie viele Menschen ihn geliebt haben und vermissen.

Kein Wunder – er muss mit seiner Lebensfreude alle, die ihn näher kannten, angesteckt haben.

Lieber Chris, rest in peace!

Bild von S. Hermann & F. Richter auf Pixabay