Alles zu seiner Zeit

Alles zu seiner Zeit

Ich habe mir in den letzten Tagen, um mir den selbst erzeugten Stress zu nehmen, einen alten Sinnspruch zum Leitspruch gemacht: „Alles zu seiner Zeit!

In letzter Zeit hatte ich mich nämlich mit all den Sachen, die ich machen will, sehr unter Druck gesetzt: lesen, schreiben, Sport machen, Musik machen, mich um meine Familie kümmern, ein Vi-Blog anfangen, für die Reise recherchieren, mich im Qigong weiterbilden – und dann habe ich ja auch noch Unterrichtsklassen. Das hat dann bei mir die schlechte Laune ausgelöst, da ich immer dachte: „Eigentlich wollte ich ja noch dies machen, und eigentlich wollte ich ja noch jenes machen …“ Und das führt dann natürlich zu Frustration, da so viele Dinge gleichzeitig einfach nicht möglich sind.

So habe ich mich gefragt:

„Warum setzt du dich eigentlich so unter Druck, wenn das Einzige, was du wirklich willst, ist glücklich zu sein

– und zwar möglichst in jedem Moment.

Tja, und das hat dann bei mir einen Moment des Innehaltens ausgelöst. Und ich habe mir gesagt: „Ja, das ist vollkommen richtig. Eigentlich ist ja meine ganze Transformation nur dazu da um glücklich zu sein. Und wie soll ich glücklich sein, wenn ich mich selbst unter Druck setze und mich durch die Sachen, die ich nicht mache, frustriere.“

Und dann tauchte dieser Spruch einfach aus dem Nichts auf: Alles zu seiner Zeit!

Das hört sich jetzt wieder nach einer Binsenweisheit an, ist es aber nicht. Im Endeffekt ist diese Aussage tief philosophisch und holistisch. Denn worum geht es?

Um glücklich zu sein, müssen wir im Augenblick leben, denn der Augenblick ist der einzige Moment, in dem wir wirklich leben. Wenn wir immer daran denken, was wir noch machen müssen, sind wir mit unserem Kopf schon in der Zukunft und nicht in der Gegenwart. Wenn wir daran denken, was wir hätten machen sollen, sind wir mit unserem Kopf in der Vergangenheit und nicht in der Gegenwart. Aber der einzige Moment in dem wir leben ist die Gegenwart.

Nur in der Gegenwart können wir glücklich sein, traurig sein, überrascht sein, gespannt sein, verwirrt sein, belustigt sein, gelangweilt sein – ganz einfach nur sein.

Das heißt aber auch, dass es keinen Zweck hat, sich zum Schreiben zu zwingen, wenn man eigentlich gar keine Lust oder Inspiration hat zu schreiben. Oder zu lesen, wenn man lieber spazieren gehen will. Und so weiter.

Glücklich kannst du nur sein, wenn du in dem einen Moment der Gegenwart genau das tust, was du auch gerne tun möchtest.

Alles andere sind Leistungsgedanken, die aus irgendwelchen Gründen in dir wachsen und dich dazu bringen wollen, etwas zu machen, zu dem du in diesem Moment eigentlich keine Lust hast. Und deswegen ist der Spruch „Alles zu seiner Zeit“ ein sehr einfacher aber weiser Spruch.

Er beinhaltet auch das Thema, dass wir gar nicht immer alles planen können, denn wie wir jetzt in Corona-Zeiten sehen, können jederzeit Einflüsse von außen entstehen, die uns von unserer Planung abbringen. Das heißt jetzt nicht, dass man überhaupt nicht mehr planen soll. Aber man sollte immer im Hinterkopf behalten, das praktisch jede Planung auch von äußerlichen Einflüssen abhängt, die wir in einem großen Maße nicht kontrollieren können.

Wenn man es so betrachtet, ergibt es Sinn sich auf den Leitspruch „Alles zu seiner Zeit“ einzulassen. Wenn etwas Geplantes funktioniert und alles läuft, wie es laufen soll – prima. Aber man sollte möglichst immer die Flexibilität behalten umdenken zu können, wenn etwas nicht so läuft, wie es geplant war. Vielleicht war es holistisch gesehen, einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt. Und vielleicht ergeben sich in der Zwischenzeit sogar wieder andere Sachen, die den Sinn oder die Struktur unserer Planung hinterfragen oder eine bessere Möglichkeit aufzeigen.

Es geht also um zwei Elemente: „Schicksal“ und „den Augenblick erleben“.

Da das erlebte Glück nur im Augenblick existieren kann, ist es sinnvoll, sich ganz auf den Augenblick zu konzentrieren und in diesem Augenblick möglichst die Sachen zu machen, die einen in diesem Augenblick glücklich machen.

Und wie mache ich das?

Wir können es lernen. Immer wenn dir bewusst wird, dass du dich selbst unter Stress setzt, musst du innehalten, dich auf den Augenblick konzentrieren und dich hinterfragen, ob das, was du jetzt gerade machst, das ist, was du machen willst oder musst.

Natürlich gibt es auch Dinge, die man machen muss, obwohl man vielleicht keine wirkliche Lust darauf hat, wie zum Beispiel staubsaugen. Aber auch diese Dinge sollte man in diesem Augenblick mit voller Achtsamkeit tun.

Wichtig ist die Hingabe in den Moment, das hundertprozentige Erleben des Moments. Und das funktioniert nicht, wenn du immer daran denkst, was du eigentlich noch alles tun müsstest oder tun wolltest.

Mach, was du machst hundertprozentig, und zwar jetzt!
Alles andere muss auf seinen Moment warten.

Bild von Michal Jarmoluk auf Pixabay

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