Tag 2 – Colbató – Alt Camp – „Nach der nächsten Kurve geht es bestimmt bergab.“

Tag 2 – Colbató – Alt Camp – „Nach der nächsten Kurve geht es bestimmt bergab.“

Noch 17 km von Santes Creus entfernt. Eben war ich ein bisschen frustriert. Ich habe es nicht bis an mein Ziel geschafft. Ich weiß nicht, wo Google-Maps die Zeit-Einschätzungen für Fahrräder hernimmt, aber mit der Realität haben sie nicht viel zu tun. Das eineinhalb bis zweifache kommt eher hin. Also wenn Google 2 Stunden sagt, kann man eher mit 4 rechnen (Don’t trust Google-Maps).

Ab der nächsten Kurve geht es bestimmt bergab
Tag 2 – Colbató – Alt Camp

Aber jetzt habe ich mir an einem superstillen Ort nicht weit neben der Landstraße, einen kleinen Sitz aus Steinen gebaut, die Isomatte darüber gelegt, sodass es richtig angenehm zum Sitzen ist, und sitze in der Abendsonne. Der Platz ist nicht direkt im Wald, sondern neben ein paar Büschen, ca. 50 Meter vom Wald entfernt, aber von der Straße aus nicht sichtbar.

Rastplatz in Alt Camp
Mein Rastplatz in Alt Camp

Ich war einfach zu fertig und konnte nicht mehr weiter fahren. Ich hatte die letzten zwei Stunden praktisch nur Steigungen. Leicht aber kontinuierlich. Immer dachte ich: „Nach der nächsten Kurve geht es bestimmt bergab“ aber es ging, wenn überhaupt, dann nur kurz in eine Waagerechte, bevor es dann wieder anstieg.

Der Anfang der Tour von ca. 50 km war vielversprechend. Von Colbató bin ich über die N-2z, die parallel zur A2 geht, aber weit genug davon entfernt ist, Richtung Montserrat Park gefahren und kam dabei auch an El Bruc vorbei. Dabei gab es noch einmal ein paar beeindruckende Aussichten auf den Montserrat.

Montserrat
Montserrat
Vogelscheuchen am Montserrat
Vogelscheuchen am Montserrat
Brücke in El Bruc
Brücke in El Bruc

Dann schickte mich Google-Maps über eine abwechslungsreiche und recht gut befahrbare Waldpiste durch die Wildnis, vorbei an der Ruine des Castell de Castelloli Richtung La Pobla de Claramunt. Auf dieser Strecke gab es mehrere Kilometer, auf denen man sich weit von der Zivilisation entfernt fühlte, umgeben von nichts als Wald.

Waldpiste - Ab der nächsten Kurve geht es bestimmt bergab
Waldpiste
Ruine des Castell Castelloli
Ruine des Castell de Castelloli
La Pobla de Claramunt
La Pobla de Claramunt

Ab der nächsten Kurve geht es bestimmt bergab

Von dort ging es über die Landstraße BV-2131 weiter Richtung Santa Maria de Miralles. Und dort machte ich wieder den großen Fehler Google-Maps blind zu vertrauen. Es schickte mich von der BV-2131, die direkt nach Santa Maria de Miralles ging, auf die B-2132 und dann, bei Orpi, auf eine Waldstrecke. Ich hätte schon am Anfang umdrehen sollen, denn es fing gleich mit einer Steigung an, bei der ich absteigen musste, aber ich war immer der frohen Hoffnung, dass an der nächsten Kurve die Steigung bestimmt aufhört. Das war aber leider ein Irrglaube, der mich dann auf dieser ca. 5 km langen Waldpiste hielt und mich mehrfach überlegen ließ umzudrehen, obwohl ich dann wieder mehrere Kilometer zurückfahren müsste.

Außerdem ging die Piste irgendwann durch eine Fuhrt und ich habe es nicht geschafft mit Schwung durchzukommen, musste treten und kam mit beiden Schuhen voll unter Wasser. Die Satteltaschen hatten nur unten etwas abbekommen und haben dicht gehalten, obwohl sie nicht wasserdicht sind.

Ich war auf jeden Fall mächtig froh, als ich dann auf der C-37 angekommen war, die mich über Santa Maria de Miralles nach Santes Creus führen sollte. Aber, wie schon am Anfang gesagt, habe ich es dann nur noch ca. 12 km weiter geschafft, denn es ging fast permanent bergauf. Kurz vor Esblada habe ich mein Zelt aufgeschlagen.

Die Gegend selbst ist wunderschön und auf der ganzen Tour heute kam ich durch fast unberührte Natur und selbst die Landstraßen waren kaum befahren. Es ist also insgesamt eine wirklich lohnenswerte Fahrradstrecke und ich werde bestimmt hierher zurückkommen. Das nächste Mal werde ich mir die Strecke allerdings in kleinere Stücke unterteilen.

Blühender Rosmarin in Alt Camp
Blühender Rosmarin in Alt Camp

Ich dachte schon, dass die Strecke vom Montserrat bis Santes Creus anstrengend sein würde, aber dass sie so anstrengend würde, damit habe ich nicht wirklich gerechnet. Außerdem hatte ich heute zwei kleine Zwischenfälle, aber beide waren relativ leicht zu beheben. Einmal ist der hintere Teil der einen Satteltasche in die Speichen gekommen, weil ich sie zu weit nach hinten gehängt habe.

Und zweitens habe ich irgendwann gemerkt, das mein Hinterrad Geräusche macht. Das lag daran, dass der Gepäckträger nicht hoch genug angebracht war und mit meinem Gewicht und zusätzlich dem des Gepäcks leicht das Rad streifte. Ich weiß nicht, ob das auch schon gestern so war oder das Gewicht der Taschen den Träger noch weiter heruntergedrückt hat. Glücklicherweise hatte ich für den hinteren Teil den richtigen Inbusschlüssel mit. Um es ganz richtig einzustellen, hätte ich noch einen kleineren gebraucht, aber den hatte ich nicht mit.

Jetzt ist die Sonne weg und es wird gleich merklich kühler. Gestern Nacht war es mit dem Schlafsack wärmemäßig an der Grenze. Ich hoffe hier ist es nicht wesentlich kälter, obwohl es höher ist. Mal sehen.

Auf jeden Fall wird es hier eine ganze Ecke ruhiger sein als gestern. Auch Sterne wird es wahrscheinlich heute mehr geben, denn am Montserrat ist die Licht-Verschmutzung noch recht stark, da es mehrere große Städte in der Nähe gibt. Hier gibt es einfach nichts, nur ein paar kleine Dörfer und das Nächste ist ca. 5 km entfernt. Jetzt wird es schon allmählich still, da die Vögel „schlafen gehen“. Ich werde auch versuchen früher zu schlafen. Mal sehen, ob es heute besser läuft. Gestern habe ich miserabel geschlafen.

Heute habe ich ein paar Sachen gelernt

  1. Die Satteltaschen, die ich habe, sind nicht besonders gut, da ich oft mit den Füßen anstoße. Vielleicht passiert es nicht bei kleineren Füßen, aber ich habe Schuhgröße 45. und weiter nach hinten hängen kann man diese Taschen auch nicht, denn dann kommt die hintere Ecke der Tasche in die Speichen, was mit heute zweimal passiert ist.
  2. Don‘t trust Google-Maps. Über die Fahrzeit habe ich schon gesprochen. Ein anderes Thema sind aber die Höhenangaben. Man kann einfach nicht genau sehen, wo welche Steigungen sind und das ist für die Fahrt mit Gepäck elementar. Außerdem schickt Google einen öfter über unbefestigte Land- oder Waldwege. Das kann wunderschön sein, aber die Steigungen sind teilweise bestialisch. Das ist bestimmt ok für Mountainbike ohne Gepäck, aber für Trekking ist das tödlich. Hätte ich die zweite Waldpiste nicht gemacht, wäre ich heute bestimmt weiter gekommen. Aber diese Strecke war absolut kräftezehrend. Das blöde ist, das man bei Google in den Optionen nicht unbefestigte Straßen blockieren kann.
  3. Ich glaube ich muss mir eine anständige Fahrrad-App besorgen, die die Steigungen richtig anzeigt und auch die Option hat, die Strecke zu optimieren, z.B. Wege nur bis zu einem bestimmten Neigungswinkel zu akzeptieren. Und eine bessere Einschätzung der Fahrzeit wäre auch sehr hilfreich.

Nachtrag: Habe wieder kaum geschlafen. Zum einen liegt das bestimmt an der ungewohnten Matratze, obwohl sie für eine Luftmatratze wirklich erstaunlich bequem ist (ist aber auch eine nicht billige, spezielle Trekking Luftmatratze, sehr dünn, schnell aufzublasen und sehr klein zu verpacken). Aber ich kann auch die Angst nicht loswerden, das irgendwelche Wildtiere in meine Nähe kommen und an meinem Zelt rascheln oder mich ein Wildschwein attackiert. Ist das schon mal passiert? Das ein Zelt von einem Wildschwein angegriffen wurde? Auf jeden Fall gehe ich auf den absoluten Wächtermodus und kann nicht einschlafen, und das, obwohl es wirklich absolut ruhig war.

Ruhig? Mal abgesehen von dem Wildtier, was dann irgendwann in der frühen Nacht unterwegs war und heißere, bellende Laute von sich gegeben hat und meine Rückenhaare aufgestellt hat. Den Lauten hörte man an, das es sich nicht um ein kleines Tier handelte. Ein Wildschwein? Bellen die? Und wenn warum? Fuchs? Hörte sich nicht wie ein Fuchs und definitiv größer an. Na ja, ich muss mal googeln. (Ergebnis bei Google bzw. YouTube: war doch ein Fuchs. Auf YouTube ist ein Video mit Fuchsbellen in Berlin und das waren genau diese Geräusche. Könnt ihr euch hier anhören und euch vorstellen wie man sich fühlt, wenn man des Nachts, mitten in der Einöde, allein im Zelt liegt. Spielberg hätte das Geräusch für etwas Unheimliches nicht besser hingekriegt.)

Dafür war der Sternenhimmel diesmal wirklich großartig. So viele Sterne habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Ich habe mich auf die Matratze gelegt und mit dem Kopf aus dem Zelteingang in den Himmel geschaut, bestimmt über eine Stunde lang. Highlights bei der Himmelsbeobachtung waren auch eine Sternschnuppe und zwei Satelliten.

Und es war kalt. Der Schlafsack, den ich mithabe, ist für solche Temperaturen nicht gedacht. Heute Nacht musste ich mir noch mein Sweatshirt anziehen und hatte damit alle Kleidung an, die ich mitgebracht habe. Zum Glück hatte ich noch ein dickes langärmeliges Unterhemd eingepackt. Also hatte ich das dicke Unterhemd, einen etwas dickeren Baumwollpullover, meine dünne Fahrradjacke, die aber eigentlich recht warm ist, und zum Schluss noch mein Sweatshirt im Schlafsack an. Außerdem habe ich mir nachts noch ein zweites Paar Socken angezogen. Die Beine in der dünnen langen Hose waren allerdings ok. An den Beinen friere ich nicht so schnell.

Zu den anderen Tagen und einem Fazit kommt ihr hier:

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