Das Monster, das die Wand durchbricht – Wie ich die Angst überwinde meine Komfortzone zu verlassen

Das Monster, das die Wand durchbricht – Wie ich die Angst überwinde meine Komfortzone zu verlassen

Wie überwinde ich die Angst meine Komfortzone zu verlassen? Die Komfortzone ist der Bereich, in dem ich mich wohl und sicher fühle, meine „Wohlfühlzone“. Aber um etwas Neues zu erfahren, muss ich sie verlassen. Doch die Komfortzone hat ihre eigenen „Sicherheitsmaßnahmen“ um dies zu verhindern.

Die Komfortzone ist von einer Wand umgeben! Was will ich damit sagen? Ich habe schon über meine 3-Tage-Fahrradtour geschrieben und mein Fazit darüber zusammengefasst. Aber viel wichtiger ist der Teil, der vorher passiert ist.

Als ich nämlich meine 3-Tage Tour vorbereitete, merkte ich, das sich innerer Widerstand regte, gegen diese Strapaze und Unbequemlichkeit, die ich vorhatte zu tun. Ich sah nicht das Positive – nachts in der Natur übernachten, Ruhe, Stille, Natur, Einsamkeit – sondern dachte mir im Stillen, das ich alter Mann mir so etwas nicht antun sollte.

Meinem Rücken ging es gerade nicht so besonders und meine Knie sind sowieso ein permanentes Problem. Und dann wollte ich es meinem Körper antun so lange und zusätzlich mit Gepäck Fahrrad zu fahren und nachts auf einer Luftmatratze zu schlafen?

Natur Einsamkeit
Natur, Einsamkeit und wilde Tiere 😉

Außerdem kamen mir Gedanken an wilde Tiere, die mich nachts aufschrecken (was ja witzigerweise passiert ist), Wildschweine zum Beispiel, oder Gedanken an Serienmörder – gibt es viele Serienmörder in Katalonien?

Es war wie bei „Stranger Things“ – die Gedanken waren wie ein Monster, das die Wand durchbricht und dich fressen will.

Dieser Widerstand, diese Unruhe, diese Ängste, das sind die Abwehrkräfte deiner Komfortzone, die das Monster, das langsam durch die Wand bricht, aufhalten wollen. Sie hat Angst davor, Angst, dass da etwas durch die Wand kommen könnte, was dein bequemes Leben verändert.

Das Interessante daran ist natürlich, dass das Monster ein Teil von dir selbst ist, der Teil der sich verändern möchte, der Teil, der es satt hat immer gemütlich auf dem Sofa zu sitzen. Und gerade mit fortschreitendem Alter wird diese Komfortzone immer bequemer und die Wand immer dicker. Und deswegen werden auch die Widerstandskräfte immer größer. Deshalb verkleidet deine Komfortzone diese Kräfte, die auf Veränderung drängen, als Monster, als etwas Schlechtes und Gefährliches, obwohl es deine eigentlichen Wünsche und Bedürfnisse darstellt.

Dazu ein schönes Zitat, was ich vor Kurzem gefunden habe:

„Alles, was du willst, liegt auf der anderen Seite der Angst.“

Jack Canfield – Autor von „Hühnersuppe für die Seele“

„Willst du diese Reise wirklich machen?“

Daher ist es wichtig, trotz Angst und innerer Widerstände, deine Entscheidungen durchzuziehen. Danach kann man darüber urteilen, aber nicht vorher. Außerdem kann man auch rationalisieren, also mit gesundem Menschenverstand abschätzen, wie hoch die Gefahren wirklich sind. Und sollte es einen wirklichen Notfall geben, kann man immer noch abbrechen. Meine Frau hatte mich vorher noch gefragt: „Willst du diese Reise wirklich machen?“, worauf ich ihr geantwortet habe: „Das kann ich dir danach sagen.“

Und ja, ich bin froh, dass ich diese Tour gemacht habe, auch wenn ich mich danach erst mal wieder erholen musste (siehe Fazit). Außerdem bin ich froh, dass ich nicht auf meine Widerstände gehört habe. Erstens war die Reise toll, ich habe viele wunderschöne Orte gesehen, die ich vorher noch nicht kannte. Ich habe in der Stille der Natur sein können und einen Sternenhimmel, wie schon lange nicht mehr, sehen können. Und zweitens habe ich gespürt, dass ich noch ziemlich belastungsfähig bin. Fast 200 km in drei Tagen. Ich hatte mir das vorher auf der Karte so überlegt und letztendlich habe ich es geschafft.

Klar habe ich aus meinen Erlebnissen auch Konsequenzen gezogen und werde einige Dinge beim nächsten Mal anders machen. Aber dafür war die Tour ja auch da. Um Erfahrungen zu sammeln.

Und ich merke schon wie sich langsam Widerstände für meine nächste einschneidende Entscheidung aufbauen, nämlich meinen aktuellen Job zu verlassen. Aber ich weiß, dass ich auch diese Entscheidung durchziehen muss, um dem Leben die Tür zu öffnen und neuen Raum zur Verfügung zu stellen. Denn, wenn man neue Elemente und Einflüsse in seinem Leben haben will, muss man dafür auch Platz machen.

Und keine Angst vor dem Monster haben, denn das Monster ist nur ein verkleideter Teil von dir selbst.

20 thoughts on “Das Monster, das die Wand durchbricht – Wie ich die Angst überwinde meine Komfortzone zu verlassen

  1. Ja schöner Text Sascha. Der größte Widerstand ist ja zum Glück am schnellsten überwunden und das ist einfach nur schon mal das Anfangen.

    Wie ich besonders bei meinem kleinen Kindern beim Wandern merkte , ist die Anstrengung und Demotivaion am größten wenn die Umgebung uninspirierend ist. Ein längerer wunderschöner vergeht gefühlt schneller als ein kürzerer schnarch ! Weg oder ?

    1. Hallo Niklas,
      Ja, das Anfangen ist das Schwierigste und Leichteste gleichzeitig, wenn man sich nämlich überwunden hat. Und es ist ganz klar, das dich die interessanten Wege mehr inspirieren, selbst wenn sie anstrengender sind.

  2. Hallo Sascha,
    schön, dass du das Fahrradfahren für dich entdeckt hast und dann noch eine solche Tour gemacht hast. Es ist wichtig, ab und zu die Komfortzone zu verlassen! Ich tue das auch ab und zu, wenn ich meist dafür allerdings einen „Arschtritt“ benötige. Mein letzter war vor zwei Jahren. Seitdem bin ich auch sehr viel auf dem Fahrrad unterwegs. Mein Auto nutze ich nur noch gelegentlich. Ich hätte dich gerne auf der Tour begleitet, auch wenn es für mich eine genauso große Herausforderungen gewesen wäre.
    Inzwischen bin ich wirklich Bewegungssüchtig geworden. Ich habe selbst im Urlaub auf meiner Lieblingsinsel mir ein Fahrrad ausgeliehen und bin durch die ziemlich hügelige Landschaft geradelt. Im letzten Herbst habe ich mir dan ein E-Bike ausgeliehen und festgestellt, dass auch eine 10 Kilometer lange Steigung, die ich im Jahr davor nur unter Tränen, fluchen und bekämpften Aufgabewünschen geschafft hatte, problemlos meistern lies. Dabei habe ich die elektrische Unterstützung sehr niedrig gehalten, um die 60-Kilometer-Tour zu machen. Ich werde das wieder machen.
    Früher hätte ich so etwas niemals gemacht. Ich war total unsportlich und im Urlaub habe ich am Strand gelegen. Mehr nicht! Es hat mein Leben total verändert, dass ich mal meine Komfortzone verlassen habe. Ich werde es auch wieder tun, wenn es wieder dran ist.
    Dir wünsche ich auf jeden Fall viel Erfolg für deine weiteren Wege. Ach ja, als Tipp: Es ist wirklich wichtig, an sein Ziel zu denken, eine Vision zu haben. Und wenn es auch nur die (deutsche 😉) Sehnsucht nach der Natur ist. Das ist besser, als sich Gedanken über die Strapazen auf dem Weg dorthin zu machen.
    Liebe Grüße
    Mischa

    1. Hallo Mischa,
      Danke für deinem ausführlichen und interessanten Kommentar. Ich hätte dich auch gern bei meiner Tour dabei gehabt. Erstens weil sie wirklich schön war, zweitens weil eine gemeinsame Anstrengung besser zu meistern ist, da man sich gegenseitig motivieren kann und drittens weil die Monster dann bestimmt nicht mehr so groß erscheinen. Vielleicht können wir ja irgendwann einmal eine Tour zusammen machen. Wie wärs mit dem Jakobsweg?

  3. Eine derartige Reise, die vielleicht zu einem selbst führt, sollte jeder einmal unternehmen. Sei es auf dem Rad, per pedes oder als schamanisches Ritual – die Möglichkeiten sind vielfältig. Spannend ist neben dem Weg all das, was am Ende erkenntnistheoretisch herauskommt.

  4. Bravo Sascha! Wirklich mutig!!!
    Nun, Diese romantische Idee der Natur ist sehr deutsch;)
    Ich habe es auch in mir! Man lernt das mit Goethe, Schiller, Kaspar David Fridrich, neulich habe ich Gedichten von Herman Hesse gelesen und geweint!
    Die Natur!!! Heerlich!
    Und dann wollen wir es so erleben wie man es uns erzählt hat und funktioniert nicht so ganz!
    Warum? Ich denke weil wir asoziativ mit Ideen verbunden mit Vorurteilen sind. Unsere Ängsten sind die jenigen die uns Verraten. Was macht mich glücklich oder unglücklich. Wo soll meine Aufmerksamkeit gehen! Strategien für das mentale Feld entwickeln…aber das tust du! Ich drück dich! Spannend dein Leben!

    1. Hallo Vivi,
      Das mit der Natur-Romantik habe ich noch nie so gesehen, aber es kann gut sein das du recht hast. Aber ich habe die Natur schon als kleiner Junge geliebt. Nur das ist natürlich etwas anderes als mit 61. Und trotzdem weiß ich schon jetzt, das ich es wieder machen werde.

  5. Finde ich gut, dass Du Dich auf den Weg gemacht hast, um Dir den Wald voller Monster von innen anzusehen. Ich habe mich auch aus meiner Komfortzone begeben, als ich mich im Sommer letzten Jahres von meiner Freundin getrennt habe, mit der ich 13 Jahre zusammen war. Das war die 100%ige Vollversorgung von ihr mir gegenüber gewesen mit dem überall hingebracht werden, einkaufen usw., sie hat alles für mich getan. Wir waren von 19.00 bis 9.30 Uhr immer zusammen, jeden Tag. Couch abends sowieso. Ich wusste nicht, ob ich es mit meiner multiplen Sklerose und den anderen vier Vorerkrankungen schaffe, allein durchzukommen. Fahrradfahren kann ich nicht mehr wegen Gleichgewichtsstörungen, mein Gehvermögen ist ziemlich eingeschränkt. Aber ich habe es nicht mehr ausgehalten, kein eigenes Leben zu haben. Als ich Ende Januar 2020 begonnen habe, meine Autobiografie zu schreiben, trug das dazu bei, mir bewusst zu werden, wer ich bin, wer ich einmal war und wohin ich will. Ich habe meine Ängste und Depressionen besiegt und auch meine Wut rausgelassen. Das Buch hat mittlerweile über 1.100 Seiten und wurde bereits mehrfach von mir überarbeitet. Ich will es bis zum Jahresende fertig haben und auf 700 Seiten begrenzen. Die ganze Aktion war wie eine Psychoanalyse für mich, die ich nie gemacht habe, weil ich niemanden so dicht an mich ranlassen konnte, Gast in meinen Erinnerungen zu sein … obwohl ich 12 Therapien gemacht habe. Zwischendurch verliebte ich mich noch in meine Exexexex Silk, was zum Glück nix wurde. Alfred Hilsberg hat mir geholfen, einen Verlag zu finden … hat aber bisher noch nicht geklappt. Er hat sich übrigens nach Dir erkundigt, Sascha, und gefragt, wo Du steckst. Das Leben ist spannend, ich genieße jeden Tag. Corona hat mich wieder zum Leben erweckt, weil mir die Endlichkeit sehr bewusst wurde und ich noch ein paar Sachen zu erledigen habe, die mir wichtig sind. „It‘s enough to be on your way …“ (James Taylor).

    1. Hallo Carsten, ich kann nur sagen Hut ab! Ich finde es unglaublich mutig was du gemacht hast, kein Vergleich zu meinem Ausflug. Ich wünsche dir alles supergute auf deinem Weg und würde mich freuen, wenn wir uns bald mal wiedersehen und persönlich sprechen können. Grüße zurück an Alfred. Ich werde die Nacht mit dem Affentheater nie vergessen. 😉

      1. Vielen Dank, Sascha. Lag bei mir auch daran, dass ich Ende Januar 2020 ein Psychopharmakon abgesetzt habe und innerhalb von drei Tagen wieder bei klarem Verstand war. Habe zuvor vier Jahre in den TV und auf Wände gestarrt, war völlig weggetreten. Konnte mich nicht mehr an die eigenen Gedanken erinnern, die ich zwei Sekunden vorher hatte. Fand ich nicht mal schlimm, so dicht war ich. Und innerhalb von drei Tagen war alles wieder da und ich verfiel in einen Schreibrausch, oft zwölf Stunden am Tag. Echt heavy.
        Würde ich auch gut finden, wenn wir uns wiedersehen.
        Kümmerst Du Dich um das Einstellen der Sportland-Aufnahmen bei Soundcloud oder Bandcamp o.ä., wenn Du Zeit haben solltest? Wär‘ cool … vielen Dank und bis bald. Cars10

  6. Lieber Sascha, das Monster kenne ich – die fiese Fantasie kann einem zusetzen. Vor ein paar Jahren bin ich one way nach Dubrovnik geflogen (30€) und dann per Bus und Fähre die Adriaküste und div. Inseln zurückgebummelt. 20 Tage. 12 davon Piratencamping in unknown territories. Ein alter Traum: Kroatien erforschen… Ich sah Tornados, Nazis, Polizei und Homeless people. Auch Nachts. Durchaus spannend. Es war ein Hammer Trip. Extrem viel gesehen. Plan durchgezogen. Ab Trieste mit dem Zug heim. Das war schon fast zu easy. Dazwischen pleite gewesen. Aber: unbedingt machen. Mein Wahlspruch war immer: In dubio pro actio. Das einzig traurige war das ich gern mein kids dabei gehabt hätte um die Eindrücke zu teilen – die waren auf Mutter Kind Kur. und: ich hatte meine Kamera vergessen (prä Smart phone times). Es gibt nur 24 Bilder einer Wegwerfkamera…

    1. Hallo Mike,
      Vollkommen deiner Meinung. Es freut mich das dein Trip so spannend war. Und diese Erinnerungen wird man leider auch kaum übertragen können, auch nicht mit Fotos.

  7. hast Du die Reise alleine gemacht und wenn ja, warum? Ist das Monster dann noch größer? Und was ist mit den Serienmördern Kataloniens los? Dürfen die wegen Corona gerade das Haus nicht verlassen?

    1. Hallo Stephan, ja, die Reise habe ich allein gemacht, da ich einfach in meinem Freundeskreis (zur Zeit) keinen habe, der auch Fahrad-fan ist. Und das mit dem Monster war ja nicht geplant :-), also auch nicht seine Größe. Ich bin mir allerdings fast sicher, das es mit Begleitung kleiner gewesen wäre. Und Serienmörder sind wohl in Katalonien recht selten, zumindest nachts im Wald.

  8. wer rastet, der roster. und dieses ‘sich selbst überkOMmen’ ist ein tolle Trip zu sich selbst. Diese ‘Bequemlichkeiten’ generally lassen uns verrotten. Neue Wege sing eben neu, und nicht dieser Alltagsloop, in dem wir so gerne verharren.
    Weniger ist eben viel viel mehr ..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.