Die Sonne lieben – Sungazing in Indien

Die Sonne lieben – Sungazing in Indien

Die Sonne lieben – sungazing in Indien: Wir treffen uns ungefähr um 6 Uhr morgens und wandern zusammen zum kleinen Tempel, der ungefähr zehn Gehminuten entfernt liegt. Dort stellen wir uns Richtung Sonnenaufgang auf, erheben die Arme und schauen in die aufgehende Sonne. Sungazing wird das genannt. Die ruhige, sanfte Stimme von Diego Arnold, einem in Spanien lebenden Argentinier und Ernährungsberater, gibt uns Anweisungen, ruhig zu atmen und die Sonne wie einen Freund anzuschauen. Ihre Wärme und Energie aufnehmen und in Liebe verwandeln. SunSunLove, so heißt das Yogafestival, das immer zur Sonnenwende veranstaltet wird, im Juni in Katalonien und im Winter in Tiruvannamalai in Indien.

Sungazing in Tiruvannamalai, Tamil Nadu, Indien

Ich hatte mich im Dezember kurzfristig entschlossen, auf dieses Festival in Indien zu fahren, da ich einerseits dem üblichen Weihnachts- und Neujahrstrubel entfliehen wollte und andererseits immer schon einmal nach Indien wollte. Und so habe ich diese Möglichkeit am Schopf ergriffen und bin kurzerhand zum Festival nach Indien geflogen. Und da ich ohnehin wieder ein 10-tägiges Vipassana machen wollte, bin ich gleich einen Monat dort geblieben.

Das SunSunLove Festival in Indien wird in Tiruvannamalai, am Fuße des Berges Arunachala veranstaltet, bekannt durch den Guru Ramana Maharshi. Es ist eigentlich mehr ein Retreat als ein Festival, da wir insgesamt weniger als 30 Leute waren, inklusive der Leute, die dort die Workshops geleitet haben. Und von den Workshops gab es in den 5 Tagen zahlreiche und sehr unterschiedliche.

Sungazing – die Sonnenmeditation

Jeder Tag begann und endete mit dem Sungazing, an dem jeder, der wollte und der speziell morgens so früh aufstehen wollte, teilnehmen konnte. Das Frühaufstehen machte mir allerdings keine Probleme, da das Leben in Indien schon gegen 5 Uhr morgens beginnt. Und da es überall irgendwo in der Nähe einen Tempel gibt, beginnt der Tag gleich mit lauter Musik, Gesängen, Hühnerkrähen, Hupen und allem, was man sich so vorstellen kann.
Insofern war das Sungazing mit seiner Stille, entfernt vom Trubel, eine wunderschöne Art, den Tag zu beginnen, sozusagen mit einer Sonnen-Meditation.

Sungazing at Gia Mantra Global Village, Tiruvannamalai
Sungazing at Gia Mantra Global Village, Tiruvannamalai

Danach gab es indisches Frühstück, wo dann meist schon die ganze Gruppe zusammenkam. Die Mischung der Gruppe war für mich wunderschön. Insgesamt waren wir ca. 25 Leute aus 14 verschiedenen Ländern. Ein guter Teil der Leute kam aus der Nähe von Barcelona, da dort auch der Sitz der Organisation ist und da sie in Katalonien auch regelmäßig Veranstaltungen haben. Aber klar, auch in der Nähe von Barcelona gibt es schon viele verschiedene Nationalitäten. In Indien waren folgende Länder vertreten: Spanien, Indien, Frankreich, Italien, Deutschland, Holland, Bulgarien, Russland, Argentinien, Kolumbien, Guatemala, Venezuela, Südafrika und USA. Es war also im wahrsten Sinne des Wortes eine bunte Mischung.

Typisch indisches Frühstück mit Papadam, Früchten und verschiedenen Chutneys. Dazu Chai-Tee.

Yoga und Workshops beim SunSunLove

Nach dem Frühstück gab es dann immer eine Yoga-Klasse, immer verschieden, sodass es viel Abwechslung gab. Wir haben das klassische Hatha Yoga gemacht, Yin Yoga, Sivananda Yoga und auch Laughter, also Lach-Yoga. Letzteres hatte mit Yoga nicht wirklich viel zu tun, war aber sehr lustig.

Mit persönlich hat das Yin Yoga sehr gefallen, das von Kati, einer Deutschen aus Sant Cugat geleitet wurde. Es ist wie eine Mischung aus Qigong und Yoga und arbeitet auch mit der Lehre der fünf Elemente und der Meridiane, die ja aus der TCM (traditionellen chinesischen Medizin) kommen und stark mit dem Qigong verbunden sind und nicht aus dem Ayurveda, der praktisch das Fundament von Yoga ist. Yin Yoga ist ein moderner Yoga-Stil und hat sich genau aus der Mischung von Yoga und TCM in den USA entwickelt.

Yogaklasse im Gia Mantra Global Village, Tiruvannamalai, während des SunSunLove Festival 2026

Andere Workshops, die über die Tage verteilt waren, waren Sacred Connection, Chakra Dance (Lakshmi), Shakti Pat (Sri Ammani), Creative voice, Holotropic breathing (Lola), Laughter Yoga, Uncondicional laughter (Marnix), Kirtan (Ananda, Dru), Silent constellation (Claudio), Soundbath (Felicia), Kakao-Zeremonie, Ecstatic Dance (Amana) und ein Satsang mit Werner.

Meine Highlights beim SunSunLove

Ich werde hier nicht auf alle Workshops eingehen, sondern nur meine Highlights vorstellen. Ein spezieller Nachmittag war auf jeden Fall am vorletzten Tag. Wir hatten schon drei Tage hinter uns und mit jedem Tag war die Gruppe mehr zusammengewachsen, mehr zu einer Familie geworden. Auch der Altersunterschied, von 10 bis 65, stellte überhaupt kein Problem dar. Der Nachmittag hatte begonnen mit Lakshmis Chakra-Tanz. Lakshmi ist Italienerin mit arabischen Wurzeln. Dabei wurden alle 7 Chakras von oben bis unten mit verschiedenen, von ihr ausgewählten Liedern durchgetanzt.

Wir mussten uns immer auf das jeweilige Chakra konzentrieren und die Musik auf uns, das angesprochene Chakra und unseren Tanz wirken lassen. So simpel es klingt, so effektiv war es. Ich war danach energetisch so sensibel, dass ich meine einzelnen Finger über meiner Haut fühlen konnte, ohne dass sie meine Haut berührten, und zwar wirklich fast so intensiv, als ob sie meine Haut berühren würden. Das war beeindruckend.

Satsang mit Werner, Tiruvannamalai
Satsang mit Werner

Systemische Aufstellung nach Bert Hellinger

Und nachdem wir so sensibilisiert waren, machten wir mit Claudio aus Südafrika eine „stille Familienaufstellung“. Die Familienaufstellung basiert auf der Technik des deutschen Psychotherapeuten Bert Hellinger. Sie wird verwendet, um die Stellung eines Individuums innerhalb seiner Familienstruktur zu beschreiben. Es läuft etwa so ab wie ein Theater ohne Drehbuch. Jedem „Mitspieler“ wird eine bestimmte Rolle zugeordnet und er wird vom Aufsteller an einen bestimmten Platz im Raum gestellt. Ab da entwickelt sich die Dynamik auf „magische“ Weise von selbst. Normalerweise bekommt man als Mitspieler die Rolle mitgeteilt, zum Beispiel „Du bist der Vater von X“. Aber bei der stillen Aufstellung wird genau das unterlassen. Nur der Aufsteller weiß, wem er welche Rolle zugeteilt hat.

Die Dynamiken, die daraus in unserer Gruppe entstanden, waren unbeschreiblich. Von Drama bis Versöhnung und Glück, von Tränen bis Lachen war alles dabei. Und das alles aus Intuition, ohne Drehbuch.

Es ist schwer, eine Familienaufstellung zu beschreiben und zu erklären, was dort eigentlich passiert. Einen kleinen Einblick gibt die türkische Serie „Ein anderes Selbst“ auf Netflix, aber am besten ist es, selbst einmal bei einer Familienaufstellung mitzumachen. Die Familienaufstellung bringt keine Lösungen, aber sie kann dir den Zusammenhang von Beziehungen klar machen und dir damit bei der Lösung oder Linderung von Problemen helfen.
Ich habe schon verschiedene Familienaufstellungen mitgemacht, eine sogar mit Pferden, aber diese war bei weitem die intensivste, die ich bisher erlebt habe.

Ein Abschluss mit Blumen und Ecstatic Dance

Auch der letzte Nachmittag, an dem wir eine Kakao- und eine Blumen-Zeremonie gemacht haben, die dann mit einem Ecstatic Dance beendet wurde, war – ich suche nach Adjektiven, die es wirklich beschreiben – zauberhaft, wunderschön, warm, gruppendynamisch, familiär, intensiv, lustig, gefüllt mit diesem warmen, liebevollen Gefühl.

Die Organisatoren hatten säckeweise Blütenblätter organisiert mit denen wir dann eine Blütenschlacht machen konnten, und da mehrere Kinder dabei waren, dauerte es nicht lange, bis sich alle in Kinder verwandelten. Der ganze Raum war bedeckt mit Blütenblättern und Mandalas, die aus Blumen gemacht worden waren, sodass wir danach beim Ecstatic Dance auf Blumen tanzten. Wow.

Ein schöner Moment für mich war auch, als ein Teilnehmer zum Schluss zu mir gekommen ist und mir sagte, wie toll ich getanzt habe und mich dann fragte „Wie jung bist du?“ statt, „Wie alt bist du?“. Das hat mich sehr gefreut und auf schöne und einfache Weise noch einmal klar gemacht, dass Alter hauptsächlich eine Kopfsache ist.

Satsang mit Werner

Ein weiterer Höhepunkt für mich war der Satsang mit Werner, der in Tiruvannamalai lebt. Werner ist ein Schweizer, der schon seit Jahrzehnten in Indien wohnt und der u.a. viele Jahre mit Amma, der Frau, die die Menschen umarmt, verbracht hat. Er meditiert intensiv seit über 18 Jahren. Er ist ein weiser Mann, der auf der Suche dem Glück schon ein ganzes Stück näher gekommen ist. Ein Satsang ist praktisch ein Gespräch über Spiritualität. Außerdem ist Werner eine kluge und humorvolle Person, der seine Perspektive unterhaltsam erklären kann.

Sein Fazit: die Präsenz und Erkenntnis ist immer bei dir. Du musst sie nur zulassen. Diese Präsenz kann dir den Zugang zur natürlichen und grundsätzlichen Quelle der Freude bringen. Das heißt nicht, dass dir nichts Unangenehmes mehr passieren kann, aber dass du es immer mit dem positiven Ansatz als Teil des göttlichen Lebens nimmst und es akzeptierst.

SunSunLove Festival 2026, Tiruvannamalai, Tamil Nadu, Indien

Das Schönste von allem aber war, wie die Gruppe von Menschen innerhalb dieser 5 Tage zu einer „Familie“ zusammengewachsen ist. Es war ein wunderschönes Gefühl von Geborgenheit und gegenseitigem Vertrauen. Bei den Workshops musste man sich teilweise ziemlich öffnen und aus seiner Komfortzone ausbrechen. Das hat einen natürlich transparenter und auch verwundbarer, sensibler gemacht. Aber das war in dieser Gruppe überhaupt kein Problem, da es immer jemanden gab, der dich dann in den Arm genommen hat und einfach bei dir war.

Umarmungen waren ohnehin wichtig und an der Tagesordnung 😉

Der Zusammenhalt der Gruppe wurde auch in den Tagen nach dem Festival sichtbar, denn viele sind auch danach noch in Tiruvannamalai geblieben und wir haben auch danach noch viele schöne, intensive oder einfach gemeinschaftliche Sachen zusammen gemacht.

Ich habe mich jetzt schon für das SunSunLove Festival in Katalonien angemeldet und plane auch im nächsten Jahr in Indien wieder dabei zu sein – so das Universum es will.

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