Schwitzhüttenritual – Tod und Wiedergeburt im Schoß der Mutter Erde

Schwitzhüttenritual – Tod und Wiedergeburt im Schoß der Mutter Erde

Auf dem New Healing Festival 2022

Für mich begann die persönliche Reise am ersten Tag mit einem Schwitzhüttenritual. (Während die meisten Aktivitäten gratis sind, gibt es auch kostenpflichtige Aktivitäten, so wie diese, die ich im Infozelt buchte.)

Das Schwitzhüttenritual basiert auf dem indianischen Ritual des Lakota-Stammes und versucht, die Verbindung zwischen dir und der Natur zu vertiefen und zu festigen. Die Schwitzhütte stellt dabei den Schoß der Mutter Erde dar, in dem du stirbst und wiedergeboren wirst.

Dank den Elementen und den Vorfahren

Schwitzhüttenritual - am Lagerfeuer
Schwitzhüttenritual

Zunächst wird ein Feuer entfacht, in dem die Steine für die Erwärmung der Schwitzhütte aufgeheizt werden. Die Steine benötigen ca. 90 Minuten, bis sie glühend rot sind. In dieser Zeit saßen wir mit ca. 25 Leuten ums Feuer, sangen spirituelle Lieder und der Leiter der Zeremonie vollführte einige Rituale, um den Elementen zu danken. Das Feuer symbolisiert die Sonne. Zwischen dem Feuer und der Schwitzhütte befindet sich der Altar, welcher den Mond symbolisiert. Die Steine vertreten die Großväter, der Pfad zwischen dem Feuer und der Schwitzhütte, die Großmütter.

Danach betraten alle, die meisten ganz nackt, im Uhrzeigersinn die Schwitzhütte, wobei Betreten nicht das richtige Wort ist, denn man muss in die Schwitzhütte kriechen, nachdem man sich erst vor seinen Ahnen, also Mutter Erde verneigt hat. Da mein Platz leider vorher von Ameisen besetzt war, war der erste Kontakt sehr schmerzhaft. Man sollte also doch lieber ein Handtuch mit in die Schwitzhütte nehmen.

Wie stellt man sich der Extrem-Situation?

Der Ablauf bestand aus vier Gängen, wobei jeweils neue, glühende Steine (Großväter) ins Zelt gebracht werden, das ansonsten dunkel und komplett verschlossen ist und nur leicht von den glühenden Steinen erhellt wird. Wir saßen mehr oder weniger wie die Sardinen in zwei Reihen ums Feuer. Während die Hütte durch die Steine auf eine, selbst für geübte Saunagänger, fast unerträgliche Temperatur aufgeheizt wurde, erklangen weiter Gesänge, an die man sich in seinem Leid gut festhalten konnte.

Zwischen den Gängen wurde die Zelttür geöffnet und es kam etwas frische Luft ins Zelt. Eigentlich sollte man die Hütte während der ganzen Zeit nicht verlassen, aber nach dem zweiten Gang verließen einige das Zelt und kehrten auch nicht mehr zurück. Für mich war das Ende des zweiten Ganges auch nahezu unerträglich und auch ich war kurz davor abzubrechen. Nachdem ich dann aber in der Pause das Zelt verließ und mich kalt abduschte, hatte ich wieder den Mut in den Schoß von Mutter Erde zurückzukehren. Und danach ging es auch besser.

Eine positive und reinigende Erfahrung

Für mich war es, trotz der sehr extremen Situation, eine bisher einmalige und insgesamt positive und reinigende Erfahrung, die ich auch wiederholen würde. Gefühlt kann ich sagen, dass ich im zweiten Gang wirklich gestorben bin und im dritten und vierten langsam wiedergeboren wurde, bis wir, nach dem letzten Gang, schließlich noch ein erfrischendes Bad im See nahmen und das Ritual mit einem gemeinsamen Sitzen um das erlöschende Feuer abgeschlossen wurde.

Genau die richtige Erfahrung, um gereinigt an dieses einzigartige Festival heranzutreten. Am nächsten Tag hatte ich eine Haut wie Seide 🙂

Titelfoto: Rainer Wiest

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